Artikel zum Thema Pressemitteilung

Neues FoodFirst-Magazin: Schwerpunkt „Pestizide und Menschenrechte“

Die Welt der Pestizide hat sich verändert, aber sie sind nicht verschwunden – im Gegenteil: Laut Welternährungsorganisation (FAO) werden heute über vier Millionen Tonnen pro Jahr ausgebracht – 80 Prozent mehr als noch vor 30 Jahren. Doch diese Steigerung ist nicht gleichmäßig verteilt. Während die Menge in Europa nahezu unverändert blieb, stieg sie in den Ländern des Globalen Südens deutlich an. Dort kommt es jährlich zu bis zu 385 Mio. akuten Vergiftungen. Die Autor*innen des Artikels sind Peter Clausing und Susan Haffmans von PAN Germany (Pesticide Action Network). Der Text ist Leitartikel in der aktuellen Ausgabe des FoodFirst-Magazins 03/2021 mit dem Schwerpunkt „Vergiftete Menschenrechte: Umwelt- und Gesundheitsschäden durch Agrargifte“ und kann hier abgerufen werden. 
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Myanmar: Offener Brief an deutschen Lkw-Hersteller MAN

Über 1.000 Demonstrant*innen wurden seit dem Putsch vom 1. Februar 2021 von myanmarischen Militär- und Sicherheitskräften getötet. Die Militärjunta reagiert auf die Proteste mit gezielter Ermordung, brutaler Folter und dem Verschwindenlassen von Zivilisten. Dabei greift die Tatmadaw, wie das Militär in Myanmar genannt wird, auf eine Flotte von Militärlastwagen des MAN-Geschäftspartners Sinotruk zurück, in denen Soldaten zu ihren blutigen Einsätzen gebracht und willkürlich verhaftete Demonstrant*innen abtransportiert wurden. Die Tatmadaw nutzt diese Militärfahrzeuge womöglich ebenfalls im Rahmen des seit dem Putsch wieder aufgeflammten Krieges zwischen dem Militär und diversen ethnischen Minderheiten im Land. Unbestätigten Berichten zufolge werden auch militärische Schwerlastfahrzeuge der Marke MILTRUK mit Sinotruk-Lizenz in Myanmar hergestellt, welche unter anderem mit Raketenabschusssystemen bestückt werden. MAN ist mit 25 Prozent (und einer Aktie) an Sinotruk beteiligt, ist im Sinotruk-Vorstand vertreten und hat als Sperrminoritätsaktionär erheblichen Einfluss auf die Geschäfte des in Hong Kong ansässigen Unternehmens. MAN ist ein Tochterunternehmen der Firma Traton, welche wiederum mehrheitlich der Volkswagen AG gehört. Der Süddeutschen Zeitung gegenüber haben MAN und Traton mitgeteilt, dass Sinotruk ihnen versichert hätte, dass keine Geschäfte mit dem Militärregime getätigt werden. Angesichts der schweren und systematischen Angriffe auf die myanmarische Bevölkerung durch das Militär, welche laut UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte in Myanmar Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen, ist eine solche Zusicherung jedoch ungenügend. FIAN fordert daher gemeinsam mit Info Birmanie, Justice For Myanmar, Reporter ohne Grenzen, Stiftung Asienhaus, urgewald und der U.S. Campaign for Burma MAN auf, eine umfassende Untersuchung der Geschäftsbeziehungen von Sinotruk mit dem Militär durchzuführen und jegliche Kooperation (samt möglicher noch laufender Lizenz-Verträge) sofort zu beenden, sollten sich Hinweise dafür finden. Die durch den Putsch ausgelöste politische und wirtschaftliche Krise, gepaart mit einer außer sich geratenen Covid-19-Infektionswelle, führt in Myanmar auch zu einer Ernährungskrise. Die Zahl der Hungernden in Myanmar droht sich laut des UN-Welternährungsprogramms auf über 6 Millionen Menschen zu verdoppeln. Auch die FAO warnte kürzlich vor einer sich anbahnenden Ernährungskrise in Myanmar mit Millionen von Betroffenen. weitere Informationen:
• Offener Brief an MAN
• Hintergrundinformationen zu dem Fall von Justice for Myanmar
Rückfragen an: Mathias Pfeifer, M.Pfeifer@fian.de

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Pressemitteilung der Evangelischen Bank: FIAN Deutschland gewinnt Nachhaltigkeitspreis

Die Preisverleihung fand am Nachmittag des 2. September 2021 pandemiebedingt digital unter www.eb.de/preisverleihung-nachhaltigkeitspreis statt.
-Die deutsche Sektion der Menschenrechtsorganisation FIAN belegt den 3. Platz im bundesweiten Nachhaltigkeitswettbewerb 
-Im Fokus des EB-Nachhaltigkeitspreises stehen die 17 nachhaltigen  Entwicklungsziele der UN (SDGs)
-An die ersten drei Plätze gehen insgesamt 20.000 Euro
Das Motto „Zukunft geht nur nachhaltig – Agenda 2030, fertig, los“ greift den Gedanken der im Jahr 2015 verabschiedeten Agenda 2030 auf. Die Umsetzung der Agenda in Verbindung mit dem Pariser Klima-Abkommen – ebenfalls aus dem Jahr 2015 – bietet die große Chance, den Wandel hin zu nachhaltigen und emissionsarmen Lebens- und Wirtschaftsweisen weltweit zu schaffen. Eine Welt ohne extreme Armut, frei von Hungersnöten, mit eingedämmten Umweltrisiken und Klimabedingungen, die keine globalen Risiken für das Leben von Mensch und Tier überall auf der Erde mit sich bringen – für diese Vision stehen die 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen. Warum schreibt die EB den EB-Nachhaltigkeitspreis nunmehr zum fünften Mal aus und unter-streicht damit ihr Engagement als „nachhaltige Bank“? Thomas Katzenmayer, Vorstandsvorsit-zender der Evangelischen Bank, hält dazu fest: „Wir alle sind gefragt, den abstrakten Begriff der Nachhaltigkeit mit Leben zu füllen. Jeder muss hier seiner Verantwortung gerecht werden. Wir in der Evangelischen Bank wollen eine lebenswerte Zukunft für nachfolgende Generationen sicher-stellen und laden über unseren Nachhaltigkeitspreis auch andere dazu ein.“ Renommierte Experten entscheiden über Vergabe des Preisgeldes
Mit dem ausgelobten Preisgeld von insgesamt 20.000 Euro, wovon 10.000 Euro an den ersten, 7.000 Euro an den zweiten und 3.000 Euro an den dritten Platz gehen, unterstützt die Evangeli-sche Bank eine Weiterführung des sozialen Engagements der Gewinner. Darüber hinaus bietet die Bank eine Plattform, sich zu präsentieren, zu vernetzen und die Sichtbarkeit als Vorbild für andere zu erhöhen. Die Gewinnerprojekte ermittelte eine Jury aus hochrangigen Experten: Prof. Dr. Christian Klein, Professor für Sustainable Finance an der Universität Kassel, Jörg Weber, Journalist, Volljurist und Chefredakteur von ECOreporter, sowie Ingo Grastorf, Leiter des Zent-rums Engagement, Demokratie und Zivilgesellschaft der Diakonie Deutschland, haben durch ihr Wissen und ihre Erfahrung drei Sieger ermittelt, die durch ihren ganzheitlichen nachhaltigen Pro-jektansatz überzeugen konnten. Zum dritten Sieger ernannte die Jury FIAN Deutschland e. V. Ziel 2 für nachhaltige Entwicklung: Kein Hunger
FIAN Deutschland setzt sich seit 1986 für die weltweite Durchsetzung des Rechts auf Nahrung ein. FIAN ist unabhängig von Parteien und Regierungen und besitzt offiziellen Beraterstatus bei den Vereinten Nationen. Die engsten Kooperationspartner sind das Forum Menschenrechte, das Forum Umwelt und Entwicklung, Brot für die Welt und Misereor. Aktuell beschäftigt sich FIAN Deutschland u. a. mit Menschenrechtsverletzungen in Brasilien, Paraguay, Ecuador, Sambia, Uganda und Kambodscha. Diese stehen meist im Zusammenhang mit Landkonflikten und Was-sermangel, die durch die industrielle Agrarproduktion verursacht werden. FIAN ist vor allem in drei Bereichen tätig: Der Verein recherchiert Menschenrechtsverstöße und unterstützt Betroffene dabei, Zugang zu Gerichten oder Entscheidungsträgern zu erhalten. Dar-über hinaus reicht FIAN Fallberichte beim UN-Sozialausschuss oder dem UN-Menschenrechtsrat ein und setzt sich für eine Stärkung des UN-Menschenrechtssystems ein. Ein dritter Schwerpunkt liegt im Bereich des Netzwerkens und der Öffentlichkeitsarbeit. FIAN steht im Austausch mit der Bundesregierung (z. B. im Arbeitskreis Welternährung), informiert die Öffentlichkeit und führt Bil-dungsarbeit durch. Philipp Mimkes, Geschäftsführer von FIAN Deutschland, erläutert: „Men-schenrechte sind eine historische Errungenschaft. Sie schützen den Einzelnen vor Repression von Staaten oder privaten Akteuren, schützen aber auch vor Hunger und Not. Die Menschen-rechte zu verteidigen und zu stärken ist daher unser wichtigstes Ziel.“ Und weiter: „Anders als oftmals dargestellt ist der Grund für Hunger in den seltensten Fällen Nahrungsmangel, sondern meist Diskriminierung, Armut und Ungerechtigkeit. Hier setzt die Arbeit von FIAN an, indem wir uns für die Stärkung, Erhaltung und Weiterentwicklung von Menschenrechten einsetzen und da-mit gegen Hunger, Armut und Ungleichheit kämpfen.“ „Als ein Unternehmen, das sich am christlichen Wertekanon orientiert, sehen wir uns in der Evan-gelischen Bank gleichermaßen in der Pflicht, eigene Beiträge zu leisten und bemerkenswerte Leistungen anderer zu fördern“, begründet Sebastian Schneider, Vertriebsdirektor der Evangeli-schen Bank, im Rahmen der regionalen Preisübergabe das Engagement der Bank. „Das uner-müdliche und unerschrockene Engagement, mit dem sich FIAN dem Welthunger entgegenstellt, ist überaus beeindruckend. Das wollen wir mit der Verleihung unseres Preises entsprechend wür-digen.“ Film zeigt Engagement des Vereins auf
Von allen drei Siegerprojekten, so auch von FIAN Deutschland, hat die EB professionelle Filme produzieren lassen. Sie sind ebenso wie Kurzporträts aller Projekte, die ins Rennen gegangen waren, unter www.eb.de/nachhaltigkeitspreis abrufbar. Evangelische Bank – Die Nachhaltigkeitsbank                                           Die Evangelische Bank eG ist als genossenschaftlich organisiertes, modernes Kreditinstitut die nachhaltig führende Spezialbank für Kunden aus Kirche, Diakonie, Gesundheits- und Sozialwirtschaft sowie für alle privaten Kunden mit christlicher Werteorientierung. Als spezialisierter Finanzdienstleister bietet die Evangelische Bank neben dem exzellenten Branchen-Know-how auch umfassende Finanzlösungen für den kirchlich-diakonischen und sozialen Bereich. Mit einer Bilanzsumme von 8,38 Mrd. Euro ist sie aktuell die größte Kirchenbank und zählt zu den größten Genossenschaftsinstituten in Deutschland. In ihrem Kerngeschäft finanziert sie soziale Projekte aus den Bereichen Gesundheit, Altenpflege, Jugend- und Behindertenhilfe, Bildung, bezahlbarer Wohnraum sowie privater Wohnbau und investiert in Vorhaben, Unternehmen und Institutionen, die zur Bewahrung der Schöpfung einen positiven Beitrag leisten. Als DIE Nachhaltigkeitsbank richtet die Evangelische Bank ihr unternehmerisches Handeln nach den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDGs) und nach den anspruchsvollen EMASplus- Kriterien aus. Zur EB-Gruppe gehören die EB-Sustainable Investment Management (EB-SIM), die EB Consult, die EB-Kundenservice, der Change Hub in Berlin, die HKD Handelsgesellschaft für Kirche und Diakonie sowie die EB-Sustainable Real Estate (EB-SRE).
Ihre Ansprechpartnerin: Carolin Caliebe
Evangelische Bank eG
Kommunikation und Marketing
Ständeplatz 19, 34117 Kassel
0561 7887-1329
carolin.caliebe@eb.de
www.eb.de

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Offener Brief: 200 Organisationen fordern Geber zur Abschaffung von AGRA auf

Die Allianz hatte im Juni die Geldgeber von AGRA angeschrieben und sie aufgefordert, Belege für die Widerlegung von Forschungsergebnissen vorzulegen, die zeigen, dass die 15 Jahre alte Initiative für industrielle Landwirtschaft entgegen ihrer Versprechen nicht in der Lage war, die Einkommenssituation und Ernährungssicherheit von Millionen von kleinen Lebensmittelproduzent*innen zu verbessern. Wir erhielten nur wenige Antworten und keine glaubwürdigen Belege.
Anlässlich der Eröffnung des AGRA-Forums zur Grünen Revolution fordern wir alle Geber auf, die Finanzierung dieser falschen Lösung einzustellen und ihre Unterstützung auf die Agrarökologie zu verlagern - ein gesundes, nachhaltiges, widerstandsfähiges und kulturell angepasstes Ernährungssystem für Afrika. "Wir begrüßen Investitionen in die Landwirtschaft auf unserem Kontinent", schrieb AFSA-Generalkoordinator Million Belay in einem kürzlich erschienenen Artikel im Scientific American, "aber wir wollen sie in einer Form, die demokratisch ist und die Menschen in den Mittelpunkt der Landwirtschaft rückt." Der offene Brief wurde von den 35 AFSA-Mitgliedsverbänden und fünf verbündeten Organisationen initiiert und wird inzwischen von 160 internationalen Organisationen, darunter FIAN Deutschland, unterstützt. Die AFSA stellte ihre Forderungen auf einer Pressekonferenz am 2. September vor und richtet nun eine direkte Aufforderung an die AGRA-Geber.
Die Pressemittelung im Original finden Sie hier Der Text des Schreibens, der in Englisch, Französisch, Spanisch und Portugiesisch vorliegt, kann hier als PDF heruntergeladen werden. Am 14. September werden bei einem Online-Event Vertreter:innen aus verschiedenen afrikanischen Ländern, Deutschland und den USA  über die Bedrohungen durch AGRA für kleine Lebensmittelerzeuger:innen berichten und erläutern, warum das milliardenschwere Programm gescheitert ist. 

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Dossier zu Ernährungssouveränität von afrika-süd: Beitrag von FIAN erschienen

Der Versuch des südkoreanischen Konzerns Daewoo, die schier unglaubliche Fläche von 1,3 Millionen Hektar Land in Madagaskar zu erwerben, hat 2008 die Diskussion um Landgrabbing und großflächige Agrarinvestitionen losgetreten. Seitdem wird in der Wissenschaft, der Zivilgesellschaft und in Regierungen darum gerungen, ob solche großen Agrarinvestitionen echte Entwicklung schaffen oder eher Menschenrechte verletzen. FIAN-Agrarreferent Roman Herre beleuchtet in dem Artikel warum Landinvestments bis heute häufig nicht zur Ernährung lokaler Bevölkerung beitragen - und was sich hierfür strukturell verändern müsste. Weitere Beiträge im Dossier befassen sich unter anderem mit kleinbäuerlicher Selbstorganiserung, vorkolonialen Agrarsystemen und dem Potenzial städtischer Gartenprojekte für lokale Ernährungssouveränität im südlichen Afrika.
Den Beitrag "Megaprojekte sichern nicht das Recht auf Nahrung"  können sie hier nachlesen. Das vollständige Dossier finden Sie hier.

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Neues FactSheet: Dürre- und Flutrisiken in Deutschland

Dies hat große, teils verheerende Folgen für Wälder, Landwirtschaft, Städte und Wasserversorgung, was durch die schweren Überschwemmungen an Erft und Ahr einmal mehr bestätigt wurde. Künftige Verteilungskämpfe haben auch menschenrechtliche Implikationen. Als Autoren des FactSheets haben wir Nick Reimer und Toralf Staud gewonnen (taz, Zeit, Klimareporter), die aktuell ein Buch zum Thema verfasst haben. Das FactSheet kann hier heruntergeladen werden. Das gedruckte FactSheet kann kostenlos in der Geschäftsstelle bestellt werden: Info(at)Fian.de
Das Fact-Sheet wurde gefördert im Rahmen des Jahresthemas "Menschenrecht auf Wasser". Gefördert durch Engagement Global mit finanzieller Unterstützung des Gefördert durch Engagement Global mit finanzieller Unterstützung des BMZ
der Stiftung Umwelt und Entwicklung (www.sue-nrw.de) Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen und Brot für die Welt Brot für die Welt

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Pressemitteilung: Neumann Kaffee – 20 Jahre Vertreibung in Uganda

„Dieser Tag markiert 20 Jahre unserer gewaltsamen Zwangsenteignung und andauernder Ungerechtigkeit gegen uns. Während Menschen weltweit Millionen von Tassen Kaffee genießen, tragen wir weiterhin die Last dieses profitgesteuerten Kaffeeunternehmens, welches uns all unserer Rechte beraubte, um in Würde zu leben“, sagt Peter Baleke Kayiira, Sprecher der Vertriebenen.
Am 17. August 2001 hatte das ugandische Militär damit begonnen, Kayiira und etwa 4.000 Bewohner*innen der Dörfer Kitemba, Luwunga, Kijunga und Kiryamakobe brutal zu vertreiben. Insgesamt wurden 2.524 Hektar Land geräumt. Hierdurch wurde der Weg freigemacht für einen 99-jährigen Pachtvertrag an die Kaweri Coffee Plantation Ltd. Diese befindet sich vollständig im Besitz der in Deutschland ansässigen Neumann Kaffee Gruppe, einem weltweit führenden Rohkaffee-Händler.
Während der fünftägigen Zwangsräumung, die bis zum 21. August andauerte, verloren die Vertriebenen ihren gesamten Besitz. Sie wurden bedroht und mit vorgehaltener Waffe gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. Viele wurden geschlagen. Ihre Häuser wurden abgebrannt, ihr Eigentum geplündert und ihre Ernten zerstört. Die Gesundheitseinrichtungen und Kirchen der vier Dörfer wurden abgerissen, die Grundschule wurde zum Hauptgebäude der Plantage.
Unter den Dorfbewohner*innen kam es nach der Vertreibung zu Todesfällen und vermehrt zu Krankheiten und Hunger. Bis heute werden ihre Rechte auf gesunde Nahrung, Wasser, Gesundheit, Arbeit und Bildung ständig verletzt. Wenn überhaupt finden sie nur Anstellungen als Gelegenheitsarbeiter*innen mit geringsten Löhnen. Dabei werden ihre Rechte durch die Verfassung von Uganda und zahlreiche internationale Abkommen, die das Land ratifiziert hat, garantiert, darunter der UN Sozialpakt. Covid-19 und Lockdowns verschärfen die Probleme
Erschwerend kommen aktuell die COVID-Maßnahmen in Uganda hinzu. Mit wenig oder gar keinem Land für den landwirtschaftlichen Anbau und anhaltenden Bewegungseinschränkungen, die zum Verlust der sowieso unzureichenden Einkommen als Gelegenheitsarbeiter*innen führten, wird Hunger zu einem immer größeren Problem. „Kein Land zu besitzen führt in Uganda zu einem Mangel an Nahrungsmitteln. Auf dem Land lebende Familien müssen ihr Essen selbst anbauen. Wir hatten seit der Zwangsräumung viele Probleme, einschließlich Nahrungsmittelknappheit, die durch den Ausbruch von Covid-19 verschärft wurde. Der Hunger wird schlimmer, und das Leben wird immer schwieriger“, so Peter Kayiira.
FIAN Uganda zeigt in einem aktuellen Bericht an den UN-Menschenrechtsrat, dass die häusliche Gewalt an vertriebenen Frauen zugenommen hat. FIAN Uganda stellt außerdem einen Anstieg von Teenagerschwangerschaften unter den Vertriebenen fest. Viele Mädchen mussten Männern Sex als Tauschmittel für Essen und Geld anbieten. Gerichtsverfahren noch ohne Ergebnis
Bereits seit 2002 versuchen die Vertriebenen Gerechtigkeit zu erlangen. Ein Jahr nach der Vertreibung hatten sie Klage gegen die Kaweri Coffee Plantation Ltd. und die ugandische Regierung eingereicht. Dennoch sind sie bis heute weder für die Enteignung entschädigt worden, noch haben sie ihr Land zurückbekommen oder anderes Land erhalten. 2019 hat das Gericht ein Mediationsverfahren angeordnet, das bis heute andauert.
Einige Vertriebene sind bereit, das geringe Entschädigungsangebot der Staatsanwaltschaft im Rahmen dieses Verfahrens anzunehmen, obwohl es unklar ist, ob sie tatsächlich entschädigt werden. Die Übrigen möchten das Gerichtsverfahren zu Ende führen. „Einige von uns sind bereits gestorben. Dennoch warten wir immer noch auf Gerechtigkeit“, erklärt eine Betroffene. Regierungen von Uganda und Deutschland dürfen Straffreiheit nicht tolerieren
Die Vertriebenen haben ihren Fall auch vor internationale Menschenrechtsgremien gebracht. 2015 forderte der UN-Ausschuss für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (CESCR) die ugandische Regierung dazu auf, „sofortige Maßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass die Rechte der Mubende-Gemeinschaft sowie aller anderen gewaltsam vertriebenen Gemeinschaften wiederhergestellt werden.“ Außerdem hielt der Ausschuss den Staat dazu an, „die Entwicklung eines Rechtsrahmens für Zwangsräumungen in Erwägung zu ziehen, welcher Bestimmungen über wirksame und sinnvolle Konsultationen, angemessene Rechtsmittel und Entschädigungen enthält.“
2017 empfahl der UN-Frauenrechtsausschuss (CEDAW) der deutschen Regierung, "wirksame Mechanismen zur Untersuchung von Beschwerden einführen, die gegen transnationale Unternehmen eingereicht werden", insbesondere gegen landwirtschaftliche Großbetriebe, die in Deutschland registriert oder ansässig sind, "mit dem Mandat, unter anderem Beschwerden entgegenzunehmen und unabhängige Untersuchungen durchzuführen." Der Ausschuss riet der deutschen Regierung zudem, "konkrete Maßnahmen zu ergreifen, einschließlich eines Rechtsbehelfsmechanismus, um Frauen, die Opfer von Menschenrechtsverletzungen geworden sind, den Zugang zur Justiz zu erleichtern." Weder Deutschland, noch Uganda haben die Empfehlungen umgesetzt.
„Das neue deutsche Gesetz über Sorgfaltspflichten in Lieferketten verschafft Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen durch Investitionen deutscher Konzerne im Ausland ausdrücklich keinen Zugang zu deutschen Gerichten“, kritisiert Gertrud Falk von FIAN Deutschland den entscheidenden Schwachpunkt des Gesetzes. Valentin Hategekimana, Koordinator für Afrika bei FIAN International, fordert die beiden Regierungen auf, „die langjährige Ungerechtigkeit zu beenden. Die Vertriebenen mussten viel leiden. Leider herrscht bis heute Straffreiheit für die Verantwortlichen. Diese Situation kann nicht länger toleriert werden“, so Hategekimana. Für Rückfragen und weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Gertrud Falk, FIAN Deutschland , Tel. 0221-47 44 91-15, E-Mail:  g.falk@fian.de 
Weitere Hintergründe zu der Vertreibung finden Sie hier.

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Neues Video: Wasser ist ein Menschenrecht!

Noch immer verfügt ein Drittel aller Menschen nicht über ausreichende Mengen Wasser für ihren persönlichen Bedarf. Zwei Drittel haben keinen Zugang zu hygienischen Sanitäranlagen. Vor diesem Hintergrund erläutert das grafisch animierte Erklärvideo die Bedeutung des Menschenrechts auf Wasser und die daran gebundenen staatlichen Pflichten. Am Beispiel Peru wird über Ressourcen-Konflikte mit dem Bergbau der Bezug zu Deutschland hergestellt. Wie die industrielle Landwirtschaft Wasserknappheit verursacht, wird am Beispiel Spanien erläutert. Das Video geht auch auf grundlegende Verfahren zur Durchsetzung Menschenrechts auf Wasser ein. Es schließt mit einer Forderung von FIAN an die deutsche Bundesregierung.
Das Erklärvideo wurde in Zusammenarbeit mit dem Programm „Uni Service Learning“ des ProfessionalCenter der Universität Köln produziert. FIAN dankt dem Film-Team!
Hier können Sie das Video anschauen 

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Köln: Protestaktion von FIAN vor DEG-Zentrale

Mit dem Slogan „Paraguay: Menschenrechte brauchen Transparenz – Kein Bankgeheimnis für Landraub und Umweltzerstörung“ protestierte FIAN heute am Sitz der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG). Im Juni hatte FIAN mit Unterstützung des European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) beim Verwaltungsgericht Frankfurt am Main eine Auskunftsklage gegen die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) eingereicht. Die KfW verweigert eine Einsichtnahme in die Umwelt- und Sozialaktionspläne des in Paraguay aktiven luxemburger Agrarinvestors PAYCO. Die KfW-Tochter DEG hatte 2013 über 15 Prozent von PAYCO erworben. KfW und DEG hatten über Jahre hinweg Informationen zu PAYCO verweigert, sogar gegenüber Abgeordneten des Deutschen Bundestags.
Weitere Informationen zur Klage finden Sie hier
PAYCO ist mit 146.000 Hektar der zweitgrößte Landbesitzer in Paraguay – dies entspricht fast dreimal der Fläche des Bodensees. Das Agrarunternehmen betreibt hauptsächlich Soja-Anbau und Viehzucht und vertreibt zudem genmanipuliertes Saatgut. Wiederholt wurden auf PAYCO-Farmen Entwaldung und Landkonflikte mit Indigenen dokumentiert. Im Westteil von Paraguay wird eine der höchsten Entwaldungsraten weltweit dokumentiert. Nach UN-Angaben sind rund zehn Prozent der Bevölkerung in Paraguay unterernährt. Große Teile der indigenen Bevölkerung leben in extremer Armut. Dies hängt eng mit der starken Landkonzentration zusammen: Paraguay gehört zu den Ländern mit der höchsten Flächenkonzentration weltweit. Rund 2,6 Prozent der Landbesitzer halten mehr als 80 Prozent der Agrarflächen.
Ein Hintergrundpapier über PAYCO finden Sie hier

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Pressemitteilung: Mangelnde Transparenz beim UN Food Systems Summit

Gemeinsame Pressemitteilung von MISEREOR, Brot für die Welt, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL),FIAN und  INKOTA (Aachen/Berlin/Köln, 23. Juli 2021) Vom 26. bis 28. Juli laden die Vereinten Nationen nach Rom zu den Vorbereitungen des Welternährungsgipfels (UN Food Systems Summit, UN FSS) ein, der im September stattfinden wird. Für die Bundesregierung reist Bundesentwicklungsminister Gerd Müller nach Rom. MISEREOR, Brot für die Welt, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die Menschenrechtsorganisation FIAN und das entwicklungspolitische Netzwerk INKOTA befürchten, dass der Vorgipfel die Anliegen der von Hunger und Armut Betroffenen ignoriert und bestehende Probleme zementiert, statt menschenrechtlich verpflichtende Lösungsansätze endlich umzusetzen. Die Zeit drängt: Die Zahl der Menschen, die weltweit Hunger leiden, steigt kontinuierlich an. Der Klimawandel zieht dramatische Folgen nach sich – im Globalen Süden und nun unübersehbar auch hierzulande. Für ein Drittel der globalen Treibhausgasemissionen werden die aktuell bestehenden Ernährungssysteme verantwortlich gemacht – also die gesamte Kette von der Nahrungsproduktion bis auf die Teller. Zivilgesellschaftliche Organisationen mahnen deshalb schon lange, Alternativen zu stärken, statt an Bestehendem festzuhalten und Betroffene in die Entscheidungen mit einzubeziehen. Eine Chance, hier wichtige Weichen zu stellen, hätte der Vorgipfel in Rom bieten können. Diese droht nach Ansicht von MISEREOR, Brot für die Welt, AbL, FIAN und INKOTA, verspielt zu werden: „Mit seiner Vielzahl an Diskussionsforen erweckt der Gipfel den Eindruck großer Inklusivität. Doch dieser Eindruck täuscht. Das Machtgefälle zwischen Agrarkonzernen und kleinen- und mittelständischen Lebensmittelerzeuger*innen wird nicht berücksichtigt“ kritisiert Paula Gioia, Beauftrage für internationale Fragen von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). „Die Stimmen der Bäuerinnen und Bauern, die im Zentrum der Ernährungssysteme stehen und stehen müssen, drohen so überhört zu werden.“ Der Gipfel wurde bekannt gegeben, ohne das für Welternährungsfragen zuständige UN-Komitee (CFS) mit einzubeziehen. Schlüsselpositionen wurden mit Führungskräften der umstrittenen „Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika“ besetzt, die eng mit der Agrarindustrie zusammenarbeitet. Wiederholte Versuche der zivilgesellschaftlichen Organisationen im CFS, Struktur, Prozess und Ergebnisse des UN-Ernährungsgipfels demokratischer und auf Basis einer Verwirklichung des Rechts auf Nahrung zu gestalten, blieben ohne Erfolg. Mangelnde Transparenz „Wir sehen in diesem Vorgehen mangelnde Transparenz, die zu Lasten der einfachen Produzent*innen und Konsument*innen gehen könnte“, erklärt Lutz Depenbusch, Referent für Landwirtschaft und Ernährung bei MISEREOR. „Der ganze Ansatz des UN Food Systems Summit birgt zudem die Gefahr, dass gegensätzliche Ernährungssysteme gleichberechtigt nebeneinandergestellt werden.“ Im CFS gefasste Beschlüsse für eine Priorisierung agrarökologischer Landwirtschaftsmodelle würden dadurch wieder in Frage gestellt und eine nachhaltige Transformation der Ernährungssysteme um Jahre zurückgeworfen.  Menschenrecht auf Nahrung entwertet „Der aktuelle Prozess stellt die Interessen der Agrar- und Ernährungsindustrie über menschenrechtliche Verpflichtungen. Das ist fatal, weil das Menschrecht auf Nahrung damit entwertet wird“, sagt Astrud Lea Beringer, Koordinatorin bei der Menschenrechtsorganisation FoodFirst Informations- & Aktions-Netzwerk (FIAN), „Dies hat mehr als 500 Nichtregierungsorganisationen aus der ganzen Welt dazu bewogen, dem UN Gipfel fernzubleiben und einen internationalen Gegengipfel zu organisieren.“
Auch MISEREOR, FIAN, AbL sowie Brot für die Welt und das INKOTA-Netzwerk haben sich entschieden, nicht am Vor-Gipfel in Rom teilzunehmen und den parallelen Protest des zivilgesellschaftlichen Prozesses (CSM) im CFS zu unterstützen, der großen Wert auf Partizipation und Lösungen unter Beachtung menschenrechtlicher Vorgaben legt.
Für Rückragen an FIAN Deutschland kontaktieren Sie bitte die FIAN-Koordinatorin Astrud Lea Beringer, +49 157 34 586740

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