Positiontpapier: Agrarökologie stärken

Armut, Hunger, Artensterben, Bodenzerstörung, Klimakrise – hunderte Millionen von bäuerlichen ErzeugerInnen sind davon betroffen. Die industrielle Landwirtschaft bedroht nachweislich die Existenz (klein-)bäuerlicher Erzeuger*innen und gefährdet die natürlichen Lebensgrundlagen hierzulande und im globalen Süden.In einem heute veröffentlichten Positionspapier fordern 56 zivilgesellschaftliche Organisationen (darunter FIAN) die Bundesregierung auf, Agrarökologie zum zentralen Förderkonzept zur Armutsbekämpfung und zur Anpassung an die Klimakrise zu machen und sie als Grundlage für eine Reform der EU-Agrarpolitik
zu nutzen. Das Konzept ist wissenschaftlich fundiert, in der Praxis hinlänglich erprobt und ganzheitlich im Ansatz. Zehn Jahre nach dem Erscheinen des Weltagrarberichts setzt sich die Erkenntnis durch, dass eine Ertragssteigerung um jeden Preis keine Lösung für Armut, Hunger und Umweltzerstörung ist. Mit der Agrarökologie gibt es ein wirksames Gegenmodell. Das Konzept basiert auf ökologischen Prinzipien, dem politischen Ansatz der Ernährungssouveränität und dem Recht auf angemessene Nahrung. „Die Förderung der Agrarökologie zahlt sich dreifach aus: Sie verbessert die Lebenssituation von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen, mindert die Folgen der Klimakrise und schützt die natürlichen Lebensgrundlagen“, erklärt Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale. Die Bundesregierung sollte bis 2021 300 Millionen Euro zur Förderung der Agrarökologie national und international zur Verfügung stellen, davon 200 Millionen Euro für die „Scaling up Agroecology-Initiative“ der FAO und 100 Millionen Euro für ein Förderprogramm „Agrarökologie und Frauen“. Auch die Landwirtschaft in Deutschland und Europa würde davon profitieren. „Agrarökologie kann bäuerliche Landwirtschaft wirtschaftlich stärken und Perspektiven auch für den ländlichem Raum insgesamt verbessern“, erklärt Reiko Wöllert, Mitglied im Bundesvorstand der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche
Landwirtschaft (AbL). „Agrarökologie mit einer verbesserten Wertschöpfung für die Betriebe zu verbinden ist daher wichtig, um Arbeitsplätze im ländlichen Raum zu schaffen und das Höfesterben zu beenden. Die Bundesregierung sollte sich bei der Reform der EU-Agrarpolitik dafür einsetzen, dass die Weichen in diese Richtung gestellt werden. Wirtschaftskreisläufe, Regionalunternehmen und lokale Vermarktungsnetzwerke von Bauern und Bäuerinnen sollten besonders gestärkt werden", sagt Wöllert.
Das Konzept der Agrarökologie baut auf den Prinzipien des ökologischen Landbaus auf. Dazu zählen der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit, der Kreislauf von Boden-Pflanze-Tier und Mensch sowie der Verzicht auf Mineraldünger und Pestizide. „Agrarökologie fördert die Vielfalt unter und über der Erde“, erklärt Katrin Wenz, Agrarexpertin beim Bund für Umwelt und Naturschutz. Biodiversität werde über mehrgliedrige Fruchtfolgen, Zwischenfrüchte und Mischanbau systematisch ins Anbausystem integriert. „Wer Vielfalt erhalten will, darf also nicht weiter auf die Intensivierung der Landwirtschaft setzen, sondern muss Anbausysteme fördern, die Ressourcen sparen und die Biodiversität schützen“, so Wenz. Auch angesichts der Herausforderungen der weltweiten Klimakatastrophe ist ein Umdenken hin zur Agrarökologie dringend nötig. Diversifizierte Anbausysteme machen Bauern und Bäuerinnen krisensicherer gegenüber Wetterextremen. „Böden speichern in Dürrezeiten besser Wasser und nehmen bei Starkregen Wasser leichter auf. Pflanzen können tiefer wurzeln. Der Schädlings- und Krankheitsdruck nimmt ab“, so Jan Urhahn, Landwirtschaftsexperte bei der Entwicklungsorganisation INKOTA. Die Bundesregierung sollte sich dafür einsetzen, dass die positiven Wirkungen der Agrarökologie in den Politikempfehlungen des Arbeitsprogramms der UN-Klimarahmenkonvention für Landwirtschaft und Ernährungssicherheit besondere Beachtung finden. „Um der Agrarökologie zum Durchbruch zu verhelfen, muss die Bundesregierung schädliche Programme schnellstmöglich beenden. Daher muss sie aus der Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika aussteigen“, fordert Urhahn. Die Initiative nütze vor allem den großen Agrarkonzernen und stehe der Agrarökologie diametral entgegen. Positionspapier zur Agrarökologie als pdf downloaden.

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Petition von FIAN-International

+++Petition jetzt unterschreiben!+++ Am 1. Januar 2019 löste der neue Präsident Brasiliens Jair Bolsonaro den Nationalen Rat für Ernährungssicherheit (CONSEA) auf. Dadurch wurde die Instanz abgeschafft, welche seit 2006 erheblich zur Verbesserung der Ernährungssicherheit der Bevölkerung Brasiliens beigetragen hat.
Der CONSEA bündelt den Dialog zwischen Zivilgesellschaft und Regierung, um eine gesunde Ernährung der gesamten Bevölkerung zu gewährleisten. So wurde mit Hilfe von CONSEA die Aufnahme des Rechts auf Nahrung in die brasilianische Bundesverfassung, die Verabschiedung des Bio-Gesetzes, der Nationale Plans für Ernährungssicherheit und der Plan für die Familienlandwirtschaft erlassen. Außerdem war der Rat maßgeblich an der nationalen Strategie für Agrarökologie und ökologischen Landbau sowie für Nahrungsmittelkäufe aus der Familienlandwirtschaft durch das Nationale Schulernährungsprogramm und andere öffentliche Stellen beteiligt.
Hier könnt ihr die vollständige Petition einsehen und unterzeichnen.



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Bfd-Stelle frei ab Sommer 2019

Bewirb dich jetzt für den Bundesfreiwilligendienst in
unserer Geschäftsstelle in Köln. Die
Stelle ist ab Anfang Juni/Juli neu zu besetzen.
Weitere Informationen erhältst Du hier.

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KfW-Tochter DEG: Beschwerde wegen Landkonflikten bei Palmölplantagen im Kongo offiziell angenommen

Köln, Sassenberg, den 15.1.2019: Heute wurde die am 5. November 2018 bei der Beschwerdestelle der deutschen Entwicklungsbank DEG eingereichte Beschwerde offiziell angenommen und veröffentlicht. Die neun betroffenen Gemeinden aus der Demokratischen Republik Kongo hoffen, über ein Schlichtungsverfahren eine Lösung ihres langjährigen Landkonflikts mit dem Plantagenunternehmen Plantations et Huileries du Congo (PHC), einer Tochtergesellschaft des kanadischen Unternehmens Feronia Inc., zu erreichen. Seit Dezember 2015 finanziert die DEG das Unternehmen PHC, welches in der Demokratischen Republik Kongo 107.000 Hektar Land beansprucht. Die Gemeinden vor Ort berichten schon länger von umfangreichen Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen und zweifeln die Rechtmäßigkeit der Pachtverträge an. Das Beschwerde-Gremium wird nun das Schlichtungsverfahren vorbereiten.
Das Netz aus internationalen Unterstützerorganisationen innerhalb und außerhalb der DR Kongo, darunter FIAN und urgewald aus Deutschland, begrüßt die Annahme der Beschwerde. Sie betrachten die Beschwerde auch als wichtig, um die Wirksamkeit solcher von den Entwicklungsbanken eingerichteten Beschwerdeverfahren zu bewerten. Die Beschwerde der Gemeinden ist der erste bei der DEG-Beschwerdestelle eingereichte Fall, der explizit ein Streitschlichtungsverfahren einleiten soll.
Neben der DEG haben weitere internationale Entwicklungsbanken viele Millionen US-Dollar in Feronia und ihre Tochtergesellschaft PHC investiert. Feronia befindet sich dadurch im Mehrheitsbesitz von Entwicklungsbanken. Allein die britische CDC hält über 30 Prozent. Vertreter der CDC und des Investmentfonds African Agricultural Fund, der von der französischen und anderen Entwicklungsbanken finanziert wird, haben fünf Sitze im Verwaltungsrat von Feronia.
Die Entscheidung aus dem Beschwerdemechanismus ist hier einsehbar. Weitere Informationen über die Beschwerde finden Sie hier. Die internationale Koalition der zivilgesellschaftlichen Organisationen umfasst:
RIAO-RDC, FIAN Germany, urgewald, CCFD-Terre Solidaire, Afrika Europa Netwerk, CNCD-11.11.11, FIAN Belgium, SOS Faim, AEFJN-Belge, The Corner House, Global Legal Action Network, GRAIN, World Rainforest Movement

Kontakt:
Jutta Kill, World Rainforst Movement, 0173 681 3809, jutta@wrm.org.uy
Roman Herre, Agrarreferent FIAN Deutschland, 0152 07067302, r.herre@fian.de
Kathrin Petz, Campaignerin, urgewald , 0152 02149341, kathrin.petz@urgewald.org +++Vertreter*innen von FIAN beteiligten sich an der Aktion+++

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Neue Ausgabe des FoodFirst mit Schwerpunkt „Klimapolitik“ erschienen



Die aktuelle Ausgabe des FoodFirst-Magazins steht im Zeichen von Klimapolitik und Menschenrechten. Die UN-Sonderbeauftragte für das Recht auf Nahrung, Hilal Elver, fordert zur Sicherung des Rechts auf Nahrung einen entschlossenen Klimaschutz. Zugleich betont Prof. Elver die Notwendigkeit, hierbei menschenrechtliche Standards zu berücksichtigen, da viele aktuelle Klimaschutz-Projekte zu Landkonflikten und Umweltschäden führen. Den vollständigen Artikel finden Sie hier.

Kate Dooley von der Universität Melbourne geht der Frage nach, inwiefern die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens durch die gesteigerte Nachfrage nach Agrarflächen zu Landkonflikten führen kann. Der nötige Schutz indigener Bevölkerungsgruppen steht hierbei im Vordergrund.

Zudem enthält das Heft einen Beitrag über die Folgen der Austeritätspolitik in Griechenland anhand einer aktuell von FIAN und TNI veröffentlichen Studie. Hierin werden insbesondere die Auswirkungen der Sparmaßnahmen auf Landwirtschaft und Ernährungssicherheit analysiert.

Eine Leseprobe enthält einen Artikel über die Folgen des Soja-Booms in Paraguay.

Das FoodFirst-Magazin informiert viermal im Jahr über Hunger, Welternährung und das Recht auf Nahrung. Fachautorinnen und Fachautoren beleuchten hierfür in jeder Ausgabe ein Schwerpunktthema. Gerne senden wir ein kostenloses Probeexemplar zu: info(at)fian.de


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UN Sozialausschuss: Empfehlungen an Bundesregierung

Der UN Sozialausschuss hat seine „Concluding Observations“ zu wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte an die Bundesregierung veröffentlicht. Das Bundesministeriums für Arbeit und Soziales hat hiervon eine Arbeitsübersetzung angefertigt. Den vollständigen Text finden Sie hier.
Zusammen mit den Partnerorganisationen im Forum Menschenrechte hatte FIAN dem UN-Sozialausschuss zwei Parallelberichte vorgelegt. Hierin wurden Themen erläutert, die im Bericht der Bundesregierung entweder nicht bearbeitet oder aus unserer Sicht nicht richtig dargestellt wurden.

Im Parallelbericht zu „extraterritorialen Staatenpflichten“ wird erläutert, welche Konsequenzen die deutsche Politik für die Menschenrechte in anderen Ländern hat. Unter anderem machte FIAN hierin Menschenrechtsverletzungen durch Auslandsinvestitionen deutscher Firmen und Fonds, die Aktivitäten staatlicher Entwicklungsbanken sowie die Fusion von Bayer und Monsanto zum Thema. Den 36-seitigen Bericht finden Sie hier. Ein Bericht zu Inlandsthemen thematisiert u.a. die mangelnde Anwendung des UN-Sozialpakts vor deutschen Gerichten, die notwendige Anpassung von Hartz IV Regelsätzen zur Deckung des Existenzminimums, die Unterbringung von Flüchtlingen sowie die zunehmende Land-Konzentration. Den Inlandsbericht können Sie hier abrufen. Viele Empfehlungen vom Forum Menschenrechte wurden in den „Concluding Observations“ aufgegriffen. Eine Bewertung vom Deutschen Institut für Menschenrechte findet sich hier.

Hinweis: die deutsche Übersetzung ist keine offizielle Übersetzung der Vereinten Nationen. Als offizielles Referenzdokument gilt das englischsprachige Originaldokument der Vereinten Nationen E/C.12/DEU/CO/6 vom 12. Oktober 2018.

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UN-Vollversammlung bekennt sich mit überwältigender Mehrheit zum Schutz der Menschenrechte auf dem Land

[Aachen, Bad Honnef, Berlin, Bielefeld, Bonn, Hamburg, Hamm, Köln, Wuppertal; Pressemitteilung vom 18.12.2018] Die UN-Vollversammlung hat gestern nach jahrelangen Verhandlungen die Erklärung für die „Rechte von Kleinbauern und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten“ verabschiedet. Damit werden Kleinbauern und andere Gruppen wie Landarbeiter*innen besser vor Menschenrechtsverletzungen geschützt. Ein Bündnis aus 19 deutschen und internationalen Bauern-, Menschenrechts- und Entwicklungsorganisationen fordert: Auch die Bundesregierung muss sich zur Erklärung bekennen und sie umsetzen. Bei der finalen Abstimmung im Plenum der UN-Vollversammlung in New York votierten 121 Staaten dafür, acht dagegen und 54 enthielten sich, darunter auch Deutschland.
„Die Annahme der UN-Bauernrechteerklärung ist ein wichtiger Tag für die Menschenrechte. Sie fasst zum ersten Mal die Rechte von Kleinbauern und anderen Menschen, die in ländlichen Gebieten arbeiten, in einem Menschenrechtsinstrument zusammen und stellt sie so unter besonderen Schutz“, erklärt Jan Urhahn vom entwicklungspolitischen INKOTA-netzwerk. Der Kampf um schwindende Ressourcen wie Land und Wasser habe sich verschärft; die Vielfalt von Saatgut sei durch die zunehmende Kommerzialisierung von wenigen Hochertragssorten und deren Eigentumsschutz bedroht. Menschen, die sich für die Rechte von Kleinbäuerinnen und –bauern einsetzen, seien politischer Gewalt und Verfolgung ausgesetzt.
Die UN haben mit der Erklärung die Rechte und Pflichten für Staaten zum menschenrechtlichen Schutz von kleinbäuerlichen Erzeuger*innen und anderen auf dem Land arbeitenden Menschen klar definiert. „Die UN-Bauernrechteerklärung gibt Staaten Leitlinien an die Hand, mit denen sie nationale Gesetze nun entlang der Rechte und Bedürfnisse von kleinbäuerlichen Erzeuger*innen ausrichten können“, sagt Paula Gioia von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und der Europäischen Koordination von Via Campesina. „Die schwierigen Verhandlungen haben gezeigt, dass sich ohne den Druck bäuerlicher Bewegungen weltweit und weiterer zivilgesellschaftlicher Organisationen wenig bewegt. Wir werden uns mit langem Atem für deren Umsetzung starkmachen“, fügt Gioia hinzu.
Die Bundesregierung hat sich bei den bisherigen Abstimmungen stets enthalten: So im UN- Menschenrechtsrat im September 2018, bei der Abstimmung im 3. Ausschuss der UN-Vollversammlung im November 2018 und bei der finalen Abstimmung im Plenum der UN-Vollversammlung gestern. „Nach der gestrigen Annahme der UN-Bauernrechteerklärung muss die Bundesregierung nun handeln“, fordert Marion Aberle von der Welthungerhilfe. „Sie muss sich vor dem UN-Menschenrechtsrat klar zur Erklärung bekennen und einen Prozess einleiten, um die in der Erklärung definierten Rechte umzusetzen.“ Die UN haben die Jahre 2019 bis 2028 zur Dekade der bäuerlichen Familienbetriebe erklärt. „Es gibt keinen besseren Weg diese Dekade zu starten, als der UN-Bauernrechteerklärung die breitest mögliche Unterstützung zu gewähren“, sagt Aberle.
Agrar Koordination, Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt (ASW ), Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Brot für die Welt, Bündnis Junge Landwirtschaft, Fair Trade International, FIAN Deutschland, Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika (FDCL), Forum Fairer Handel, GEPA – The Fair Trade Company, INKOTA-netzwerk, Internationaler Verband Katholischer Ländlicher Erwachsenenbewegungen (FIMARC), Oxfam Deutschland, MISEREOR, Naturland e.V, TransFair e.V. (Fairtrade Deutschland), Weltfriedensdienst (WFD), Welthaus Bielefeld und Welthungerhilfe.
Weitere Informationen:
Resolution zur UN-Bauernrechteerklärung des 3. Ausschusses für die UN-Vollversammlung
Positionspapier des zivilgesellschaftlichen Bündnisses zur UN-Erklärung
Ansprechpersonen:
Paula Gioia, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und Europäische Koordination von Via Campesina (ECVC), Mobil: +49 (0) 152 05 76 45 91, E-Mail: paula.gioia@eurovia.org
Simone Pott, Welthungerhilfe, Tel.: +49 (0) 228 22 88 13 2, E-Mail: Simone.Pott@welthungerhilfe.de
Jan Urhahn, INKOTA-netzwerk, Mobil: +49 (0) 176 70 61 03 81, E-Mail: urhahn@inkota.de

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+++ neue FIAN-Adresse +++ neue FIAN-Adresse +++

FIAN ist am 11./12. Dezember umgezogen. Die neue Adresse lautet: FIAN Deutschland Gottesweg 104 50939 Köln Telefon / Fax / eMail bleiben unverändert. 

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Gemeinsame Erklärung zum Jubiläum der Verkündung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte

Berlin, den 10.12.2018. Weltweit wird heute, am 10.12.2018, der Verkündung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR) vor 70 Jahren gedacht, mit der die internationale Staatengemeinschaft wichtige Lehren aus dem verheerenden Zweiten Weltkrieg gezogen hat. Im Vordergrund stehen dabei die Bürger*innen- und Freiheitsrechte wie Meinungs- und Pressefreiheit, das Verbot von Folter u.a., die in vielen Ländern der Welt nach wie vor nicht vollständig eingehalten werden. Vergessen werden hierzulande oft die in der gleichen Erklärung verkündeten sozialen Menschenrechte, wie insbesondere das Recht auf Arbeit, das Recht auf soziale Sicherheit, das Recht auf ein Höchstmaß an geistiger und körperlicher Gesundheit sowie das Recht auf Bildung, angemessene Nahrung und Wohnung - zu Unrecht, denn sie sind heute aktueller denn je.
Die in der AEMR verkündeten sozialen Menschenrechte sind seit der Verabschiedung des Inter-nationalen Paktes über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (kurz: UN-Sozialpakt) von 1966 völkerrechtlich verbindlich und keineswegs Menschenrechte „zweiter Klasse“, wie sie oft noch verstanden werden. Die Bundesrepublik Deutschland hat den UN-Sozialpakt im Jahre 1973 ratifiziert und sich zu den damit einhergehenden Staatenpflichten bekannt. Bisher steht eine Unterzeichnung des Zusatzprotokoll von 2008 jedoch aus. Dadurch könnten die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte („wsk“-Rechte) eingeklagt und ihre Verletzung von Individuen und Organisationen nach Erschöpfung des nationalen Rechtsweges auch vor dem UN-Ausschuss für „wsk“-Rechte geltend gemacht werden. Die Bundesregierung verzögert die Unterzeichnung des Zusatzprotokolls seit nunmehr 10 Jahren.

Die Unterzeichnerstaaten des UN-Sozialpakts müssen regelmäßig über die Umsetzung der „wsk“-Rechte berichten. Der jüngste Staatenbericht der Bundesregierung (2017) war für den zuständigen UN-Ausschuss für „wsk“-Rechte Anlass zu großer Besorgnis. Zahlreiche Nichtregierungsorganisationen hatten mit Parallelberichten Hintergrundinformationen über bestehende Missstände geliefert. In den „Abschließenden Bemerkungen“ (Concluding Observations) griff der „wsk“-Ausschuss diese Punkte auf und kritisierte die Bundesregierung erneut in mehreren Bereichen deutlich. Zu drei besonders brisanten sozialen Themen verlangt der Ausschuss von der Bundesregierung einen „dringlichen Zwischenbericht“ binnen 24 Monaten: zur Situation älterer Menschen in der Pflege, zur Kinderarmut und zum Recht auf Wohnen.

70 Jahre nach Verkündung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte sind die Zivilgesellschaft, Parlamente und Regierung aufgerufen, die sozialen Menschenrechte auf allen Ebenen zur Geltung zu bringen. Ohne die vollständige Umsetzung der sozialen Menschenrechte wird es im Deutschland des 21. Jahrhunderts keine umfassende soziale Gerechtigkeit geben.
Eberhard Schultz dazu: „Angesichts zunehmender sozialer Spaltung ist die Umsetzung der sozialen Menschenrechte drängender denn je. Denn ihre Anwendung würde auch gegen die sozialen Unsicherheiten helfen, die sich die autoritäre Rechte in zynischer Weise für ihre Zwecke zunutze macht.“ Diese Pressemitteilung wird unterstützt von: Ärzte der Welt
Der Paritätische Gesamtverband
Eberhard-Schultz-Stiftung
FIAN-Deutschland
Haus der Demokratie und Menschenrechte
Humanistische Union
IALANA
Internationale Liga für Menschenrechte
IPPNW
KULTURISTENHOCH2
Landesseniorenbeirat Berlin

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Pressemitteilung: Petition „Menschenrechte in München institutionell verankern“ gestartet

München, 1. Dezember 2018. Feiern, fördern, fordern: 70 Jahre nach der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte werden weltweit die Errungenschaften des Dokuments gefeiert, aber auch eine konsequentere Umsetzung gefordert. Der Arbeitskreis „Münchner Tage der Menschenrechte“ eröffnete am 30.11. offiziell die gleichnamige Veranstaltungsreihe mit über 30 geplanten Aktionen. Dabei stand die Situation der Menschenrechte in München im Mittelpunkt. Diese müssen gestärkt und institutionell verankert werden, damit alle Menschen gleichermaßen daran teilhaben können, so der Aufruf der Veranstalter. Sie haben dazu eine Petition auf openPetition ins Leben gerufen.

„München als ehemalige ,Hauptstadt der Bewegung‘, als Wiege des Nationalsozialismus und seiner Verbrechen gegen die Menschlichkeit, hat eine besondere historische Verantwortung, die Menschenrechte zu schützen“, so Kai Schäfer, Geschäftsführender Referent des Nord Süd Forum München e.V. Leider müsse man aber auch 70 Jahre nach der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte noch feststellen, dass in München die Menschenrechte keinesfalls für alle Menschen garantiert sind, so Schäfer weiter. Wie viele Menschen in unserer reichen Stadt von sozialer Teilhabe ausgeschlossen sind, dokumentiert der Münchner Armutsbericht. Bei einer konsequenten Ausrichtung kommunalen Handelns an den Menschenrechten ist es auch notwendig, das öffentliche Beschaffungswesen zielstrebig weiter zu entwickeln, denn bei der momentanen Praxis ist die Einhaltung der Menschenrechte entlang der Produktionsketten nicht garantiert. Deshalb braucht es in München eine Institutionalisierung der Menschenrechte. Eine Fachstelle und ein Aktionsplan zur Stärkung der Menschenrechte sowie die Verpflichtung der Kommune, über deren Einhaltung zu berichten, würden den Menschenrechten den notwendigen, hohen Stellenwert verleihen. Bei der Eröffnungsveranstaltung wurden diese Forderungen durch Beiträge von Arne Klevenhusen (FIAN Ortsgruppe München), Gabriele Köhler (Deutsche Gesellschaft der Vereinten Nationen und Women Engage for a Common Future) und Andréa Menescal (Casa do Brasil) gestützt. Die Petition „Menschenrechte in München institutionell verankern“ läuft von 3. bis 10. Dezember und kann auf openPetition von allen Münchnerinnen und Münchnern unterzeichnet werden.

Über das Nord Süd Forum München:
Der Nord Süd Forum München e.V. ist Zusammenschluss und Dachverband von 59 entwicklungspolitischen Gruppen und Vereinen aus dem Münchner Raum. Im Zentrum der Arbeit steht seit der Gründung 1989 die Vernetzung der Initiativen sowie gemeinsame Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit für eine gerechte Eine Welt. Gemäß dem Motto „global denken- lokal handeln“ wirkt der Verein auf eine zukunftsfähige Entwicklung der Münchener Stadtgesellschaft hin. Mit seiner Geschäftsstelle im Münchner EineWeltHaus ist das Nord Süd Forum eine zentrale Anlaufstelle in einem offenen und integrativen Haus. Es wird mit jährlichen Zuwendungen von der Landeshauptstadt München – Kulturreferat sowie Referat für Gesundheit und Umwelt – gefördert.


Pressekontakt:
Kai Schäfer, Geschäftsführender Referent
Nord Süd Forum München e.V.
c/o EineWeltHaus
Schwanthalerstr. 80 80336 München
Tel.: 089 85637523
E-Mail: k.schaefer@nordsuedforum.de
Web: www.nordsuedforum.de

HIER geht es zur Petition.

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