Uganda: Vertriebene der Kaweri Kaffeeplantage von versprochenem Land vertrieben

 
„Ich bin zweimal vertrieben worden, ohne entschädigt zu werden. Mein Leben hat sich dadurch erheblich verschlechtert“, fasst die sechzigjährige Joyce Namakula ihr Schicksal zusammen. Sie wurde 2001 von ugandischen Soldaten von ihrem Land vertriebenen, welches die ugandische Investitionsbehörde seitdem der Kaweri Coffee Plantation Ltd., einem Tochterunternehmen der Hamburger Neumann Kaffee Gruppe, verpachtet. Aus eigener Kraft baute sie mit ihren Kindern eine neue Existenz in der benachbarten Gemarkung auf. Doch 17 Jahre nach der Vertreibung für die Kaweri Plantage wurde sie im Oktober 2018 erneut ohne Entschädigung vertrieben. „Ihre Geschichte verdeutlicht, dass die Mär vom alternativen Land, auf das die Vertriebenen der Kaweri Coffee Plantation angesiedelt worden seien, schlicht falsch ist“, kommentiert FIAN-Referentin Gertrud Falk. „Die Vertriebenen der Kaweri Kaffeeplantage wurden weder umgesiedelt, noch hätten sie auf dem Land Sicherheit vor weiterer Vertreibung gehabt.
Die Neumann Kaffee Gruppe und die ugandische Regierung müssen nun die Vertriebenen endlich umfassend entschädigen“. Falk dokumentiert die Situation der Betroffenen derzeit vor Ort. Das am 1. Juli 2019 gerichtlich angeordnete Mediationsverfahren im Prozess der Vertriebenen gegen das Unternehmen und den Staat ist am 2. Dezember um zwei Wochen bis zum 16. Dezember verlängert worden. „Es ist skandalös, dass das Unternehmen bisher kein Angebot auf den Tisch gelegt hat“, empört sich Gertrud Falk. „Wenn man nun in aller Deutlichkeit sieht, dass die Geschichte der angeblichen Entschädigung erfunden war, potenziert dies den Skandal“. Vom 18. – 21. August 2001 hatte die ugandische Armee im Bezirk Mubende vier Dörfer zerstört und die Bewohner vertrieben, weil die Regierung das Land an die Kaweri Coffee Plantation Ltd. für den Aufbau einer Kaffeeplantage verpachtet hatte. Die Kaweri Coffee Plantation Ltd. ist ein Tochterunternehmen der Hamburger Neumann Kaffee Gruppe. Die Vertriebenen prozessieren gegen den ugandischen Staat und das Tochterunternehmen. Am 1. Juli 2019 hatte das Hohe Gericht in Kampala eine Mediation zwischen Klägern und Beklagten angeordnet. Die Frist dafür ist am 19. November ohne Ergebnis verstrichen. Weder die ugandische Staatsanwaltschaft noch die Kaweri Coffee Plantation Ltd. haben auf die Forderungen der Vertriebenen reagiert. Diese fordern 3,8 Mrd. Ugandische Schilling für den verursachten Sachschaden sowie 30 Millionen Schilling (rund 7.200,- EUR)  pro Familie, damit diese je 10 Morgen Land kaufen können. Im Gegenzug sind sie bereit, ihre Landrechte auf das von der Kaweri Kaffeeplantage gepachtete Land abzutreten.
Lesen Sie hier die Geschichte einer doppelten Vertreibung ohne Entschädigung: https://www.fian.de/artikelansicht/2019-12-05-interview-mit-joyce-namakula-vertrieben-zugunsten-der-kaweri-kaffeeplantage-in-uganda/ Kontakt vor Ort: Gertrud Falk, Tel.  +256-708 478599, E-Mail: g.falk@fian.de Weitere Informationen:
-        zum Fall: www.fian.de/fallarbeit/kaweriuganda/
-        zu den anhaltenden Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit der Kaweri Coffee Plantation Ltd: www.fian.de/artikelansicht/2019-11-20-uganda-anhaltende-menschenrechtsverletzungen-infolge-der-vertreibung-zugunsten-der-kaffeeplantage-der-neumann-kaffee-gruppe/

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FIAN steht Schüler*innen Rede und Antwort zu Menschenrechten

Im Rahmen des Politikunterrichts nahmen die Schüle*innen einer 5. Klasse des Landrat Lucas Gymnasiums in Leverkusen an einem Wettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung teil. Während der Recherchen für das Klassenprojekt sprach ihr Lehrer Frederik Kernke FIAN bezüglich einer Zusammenarbeit an. Seine Idee, FIAN-Mitarbeiter*innen für die Fragerunde der Schüler*innen zu gewinnen, fanden wir super. Pünktlich zum 30-jährigen Jubiläum der UN-Kinderrechtskonvention am 20. November standen wir der Klasse Rede und Antwort rund um die Themen Menschen- und Kinderrechte. Es war uns ein besonderes Anliegen, der Generation Z die Menschenrechte näherzubringen und die Arbeit von FIAN vorzustellen. Die 30 Kinder stellten uns viele Fragen zu Menschen- und Kinderrechten, zeigten aber auch großes Interesse an den Fällen von FIAN und vor allem an den Aufgaben innerhalb einer Menschenrechtsorganisation. Wir hoffen, dass dieses Schulprojekt buchstäblich Schule macht und sich mehr engagierte Lehrer*innen und Schüler*innen den Themen Menschen- und Kinderrechte widmen und in den Unterricht integrieren.
Bei Fragen oder Interesse melden Sie sich gerne bei uns!

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Interview mit Joyce Namakula, vertrieben zugunsten der Kaweri Kaffeeplantage in Uganda

FIAN-Referentin Gertrud Falk ist momentan in Uganda vor Ort, um die Vertriebenen im Gerichtsverfahren gegen die Kaweri Coffee Plantation/der Neumann Kaffee Gruppe zu unterstützen. Im Rahmen ihrer Reise hatte sie die Möglichkeit mit Joyce Namakula über die Vertreibung und die aktuelle Situation zu sprechen.
Wie haben Sie vor der Vertreibung für die Kaweri Coffee Plantation gelebt?
Nach der Heirat mit meinem Mann haben wir auf Block 99 Buwekula 20 Acre Land gekauft. Das ist da, wo heute die Trockenmühle der Kaweri Coffee Plantation steht. Wir hatten ein gutes Leben, konnten uns Nutztiere halten und hatten einige Obstbäume. Mein Mann starb leider früh und ließ mich mit unseren zehn Kindern zurück. Ein Jahr später, im Jahr 2001, wurden wir vertrieben. Obwohl uns zunächst vier Monate Zeit gegeben wurde, unser Grundstück zu verlassen, vertrieb uns die Armee bereits nach zwei Monaten. Während der Vertreibung rannten die Menschen in Angst panisch umher. Eines meiner Kinder, mein damals sieben Jahre alter Sohn, ging dabei verloren. Ich war verstört und suchte überall nach ihm. Ich ging sogar zur Polizei, aber mein Kind wurde nicht gefunden. Bis heute weiß ich nicht, ob mein Sohn noch lebt oder tot ist.
 
Was haben sie nach dieser Vertreibung unternommen?
Ich beschloss, nach Arbeit zu suchen, um Geld zu verdienen und woanders ein neues Grundstück zu kaufen. Ein Jahr lang arbeitete ich, bis ich genügend Geld zusammen hatte, um in der Gemarkung Kambuye zwei Morgen Land zu kaufen. Ich kaufte es für 3 Million Shilling von einer Frau Nabagala. Auf dem Land pflanzte ich Verschiedenes an: Kartoffeln, Bananen, Mais, Erdnüsse. Obwohl unser Grundstück kleiner war als das vor der Vertreibung, konnte ich damit überleben und für meine Kinder sorgen. Aber dann wurde ich erneut vertrieben. Was ist passiert?
Im Oktober 2018 stellte sich mir ein Herr Kaweesi als neuer Eigentümer des Lands in Kambuye vor. Er forderte uns auf, unser Grundstück zu verlassen. Wir könnten noch die Ernte einbringen, dürften aber nicht mehr neu pflanzen. Als ich jedoch später hörte, dass er auf anderen Grundstücken begonnen hatte, die Pflanzen zu roden, ergriff mich Panik. Da ich auch hörte, dass er Entschädigungen zahlen würde, fasste ich mir ein Herz und ging zu ihm. Er war von Leibwächtern umgeben und sagte mir, dass er mich nicht wieder auf seinem Land sehen wolle. Er bot mir keine Entschädigung an. Ich ging wieder nach Hause, um feststellen zu müssen, dass mein Haus zerstört worden war. Welche Folgen hatte dies für Ihre Familie?
Ich kann seitdem nur ein kleines Zimmer in Kawula mieten. Meine Kinder zerstreuten sich. Sie suchten nach Arbeit in Kampala, Mubende und Kanseera. Nur mein 17 Jahre alter Sohn wohnt noch bei mir. Obwohl er sehr intelligent ist, kann er nicht mehr zur Schule gehen, weil ich die Kosten nicht aufbringen kann. Ich kann nicht einmal die Kosten für Nahrung und Grundbedürfnisse decken. Ich leide. Meine anderen Kinder greifen mir unter die Arme, wenn sie können, aber es geht ihnen auch nicht gut. Ich bin krank, habe Magenprobleme, Bluthochdruck und Husten. Aber ich habe kein Geld für eine gründliche medizinische Untersuchung. Ich bin jetzt 60 Jahre alt und fühle, dass ich jeden Tag schwächer werde.

How have you lived before the eviction for Kaweri Coffee Plantation?
I got married and my husband and I bought 20 acres in the area where today Kaweri's dry mill is. We had a good life, had animals and fruit trees. My husband died and left me alone with ten children. One year later we were evicted. We were given four months to leave our land but the army evicted us brutally already two months later. During the eviction people everywhere ran in fear and one of my children, a seven year old son, got lost during that panic. I got confused, ran around looking for my son. I even went to the police but the child was not found. Until today, I do not know if he is dead or alive. What did you do after that eviction?
I decided to look for a job to earn money and buy land elsewhere. I worked for one year and earned enough money to buy 2 acres of land in Kambuye from Ms. Nabagala for three million shillings. I planted various crops like irish, bananas, maize, groundnuts. Although the land was smaller than what we had before the eviction I could still survive and take care of my children. But then I was evicted again. What happened?
In October 2018, a man called Kaweesi came and said that he was the new owner of the land and that we have to leave. He said that we could harvest our crops but that we were not allowed to plant new ones. But later I heard that he had started cutting down crops. I panniqued. Since I also heard that Kaweesi would compensate people I went to see him. He was surrounded by body guards and told me that he does not want to see me again on his land. He did not offer me any compensation. When I reached home my house had been destroyed. Which consequences did this have for your family?
I could rent only a small room in Kawula. My children squattered. They looked for employment in Kampala, Mubende and Kanseera. Only one stays with me, a 17 years old son. Although he is bright he cannot continue to go to school because I cannot afford the costs. I cannot even afford food and basic needs. I am just suffering. My other children assist me if they can but they are also not well.
I am sick, I have ulcers, high blood pressure and a cough, but I do not have money to go for a medical check up. I am now 60 years old and every day I feel weaker.
Hier finden Sie die Studie Kontakt: Gertrud Falk, Tel. 0221-47 44 91-15, E-Mail: g.falk(ät)fian.de
Weitere Informationen: www.fian.de/fallarbeit/kaweriuganda

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Uganda: Regierung und Neumann Kaffee Gruppe verweigern Entschädigung für Vertriebene

Im Klageverfahren von 401 vertriebenen Familien für die Kaweri Kaffeeplantage der Neumann Kaffee Gruppe ist das gerichtlich angeordnete Mediationsverfahren weiterhin in der Schwebe. Die ugandische Regierung und die Neumann Kaffee Gruppe haben auf die Forderungen der im Jahr 2001 gewaltsam vertriebenen Kläger nicht reagiert. In der heutigen Gerichtsverhandlung hat der Richter am Hohen Gericht in Kampala/Uganda die Frist noch einmal um zwei Wochen bis zum 16. Dezember verlängert.
"Die erneute Verzögerung des Mediationsverfahrens ist ein Skandal“, bewertet FIAN-Referentin Gertrud Falk das Schweigen der Beklagten. Falk ist derzeit vor Ort. „Ein Unternehmen, das sich selbst als weltweit führender Rohkaffee-Dienstleister bezeichnet, verzögert die Entschädigung von Menschen, die unter Hunger und Armut leiden, seitdem sie für die unternehmenseigene Kaffeeplantage vertrieben wurden“. Weder der ugandische noch der deutsche Staat werden ihren menschenrechtlichen Pflichten gerecht: Uganda muss dafür sorgen, dass die Rechte der Betroffenen wiederhergestellt und sie angemessen entschädigt werden. Deutschland muss zum einen das Unternehmen in der Weise regulieren, dass es Wiedergutmachung leistet; zudem muss den Vertriebenen Zugang zum deutschen Justizwesen ermöglicht werden. „Dieses Fallbeispiel macht deutlich, warum Deutschland endlich ein starkes Lieferkettengesetz braucht,“ erläutert Gertrud Falk weiter. „Es würde die Neumann Gruppe dazu verpflichten, Sorge zu tragen, dass die Ernte von der Kaweri Kaffeeplantage nicht unter Hinnahme anhaltender Menschenrechtsverletzungen importiert wird“. Vom 18. – 21. August 2001 hatte die ugandische Armee im Bezirk Mubende vier Dörfer zerstört und die Bewohner vertrieben, weil die Regierung das Land an die Kaweri Coffee Plantation Ltd. für den Aufbau einer Plantage verpachtet hatte. Die Kaweri Coffee Plantation Ltd. ist ein Tochterunternehmen der Hamburger Neumann Kaffee Gruppe. Die Vertriebenen wurden bis heute nicht entschädigt; sie prozessieren deswegen gegen den ugandischen Staat und das Tochterunternehmen. Am 1. Juli 2019 hatte das Hohe Gericht in Kampala eine Mediation zwischen Klägern und Beklagten angeordnet. Die Frist dafür ist am 19. November ohne Ergebnis verstrichen. Weder die ugandische Staatsanwaltschaft noch die Kaweri Coffee Plantation Ltd. haben auf die Forderungen der Vertriebenen reagiert. Diese fordern 3,8 Mrd. Ugandische Schilling für den verursachten Sachschaden sowie pro Familie 30 Millionen Schilling, damit diese je 10 Morgen Land kaufen können. Im Gegenzug sind sie bereit, ihre Landrechte auf das von der Kaweri Kaffeeplantage gepachtete Land abzutreten.
Kontakt:
Gertrud Falk, Tel.  +256-708 478599, E-Mail: g.falk@fian.de weitere Informationen:
-        zum Fall: www.fian.de/fallarbeit/kaweriuganda/
-        aktuelle Studie zu den anhaltenden Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit der Kaweri Coffee Plantation Ltd: www.fian.de/artikelansicht/2019-11-20-uganda-anhaltende-menschenrechtsverletzungen-infolge-der-vertreibung-zugunsten-der-kaffeeplantage-der-neumann-kaffee-gruppe/
-        zur Initiative Lieferkettengesetz: https://lieferkettengesetz.de/ 
-        zur UN-Erklärung der Rechte von Kleinbauern und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten: www.fian.de/artikelansicht/2018-12-18-un-vollversammlung-bekennt-sich-mit-ueberwaeltigender-mehrheit-zum-schutz-der-menschenrechte-auf-dem-land/

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Welttag gegen Gewalt an Frauen

Rund 400.000 Menschen verlassen Nepal pro Jahr, um im Ausland zu arbeiten. Nach offiziellen Angaben sind hiervon nur fünf Prozent Frauen. Tatsächlich sind es wahrscheinlich zehnmal so viele, denn arbeitswillige Frauen nutzen oft irreguläre Wege und entziehen sich der Registrierung. Einer der Gründe, der Frauen in die illegale Migration treibt, sind gesetzliche Vorgaben zu ihrem vorgeblichen Schutz. Doch diese bewirken das Gegenteil: die Migration wird gefährlicher, jährlich werden mindestens 7.000 nepalesische Frauen und Kinder Opfer von Menschenhandel. Nepal will die weitverbreitete Arbeitsmigration aktiv gestalten und die Bürger*innen – so die offizielle Lesart – vor Risiken schützen. Dabei nimmt die Zahl weiblicher Arbeitsmigrantinnen stetig zu: Zwischen 2006/07 und 2013/14 hat sich ihre Zahl um das 74-fache erhöht, die der Männer um das 2,5-fache. Allein die Zahl der Frauen, die 2015 in den Golfstaaten arbeiteten, wurde auf 350.000 geschätzt (1). Die Arbeitsmigration wird also weiblicher. Damit einher gehen jedoch Berichte von Missbrauch, sexueller Gewalt, Zwangsprostitution und Organhandel.
Der nepalesische Staat reagiert mit einem Schlingerkurs gesetzlicher Regulierung: ab 2012 wurde ein Altersverbot verhängt, welches Frauen unter 30 Jahren die Arbeitsmigration in arabische Staaten untersagte. 2014 wurde das Verbot auf alle Frauen sowie auf gering qualifizierte Tätigkeiten in allen Ländern ausgedehnt. 2015 wurde das Verbot zunächst gelockert, dann wieder eingeführt und 2016 erneut aufgehoben. Aktuell können Frauen ab 24 Jahren legal in bestimmte Länder zur Hausarbeit migrieren (2). Frauen unter 24 Jahren ist die Arbeitsmigration untersagt. 2017 folgte eine Initiative des Parlaments mit der Zielsetzung, den legalen Weg wieder außer Kraft zu setzen.
Wer profitiert von restriktiven Gesetzen?
In Nepal sind mehr als 900 sogenannte „Rekrutierungsagenturen“ tätig. Hinzu kommen Unterbüros, assoziierte Agenten sowie Orientierungs- und Trainingsinstitutionen. Interviews und Feldforschungen in Nepal bestätigen, dass Agenturen wie auch staatliche Stellen von einem restriktiven System profitieren. So sei beispielsweise nach der letzten parlamentarischen Initiative die „Gebühr“, um eine Arbeitnehmerin in die Golfstaaten zu vermitteln, von 40.000 auf 80.000 Rupien gestiegen (1). Je restriktiver das System, umso höher werden Bestechungsgelder, Aufwand und Endpreis der Vermittlung. Dies bestätigen die Agenten: „Meine zehnjährige Erfahrung mit dem Arbeitsministerium zeigt mir, dass sie den Prozess nicht straffen, um etwas zu kontrollieren oder zu stoppen, sondern um mehr Geld herauszuholen. Für uns Agenten ist das nicht wichtig. Wenn offizielle Stellen 3.000 Rupien Bestechungsgeld verlangen, schlagen wir diese auf den Preis auf, für uns noch mal 10.000 weitere dazu und verlangen 13.000 Rupien mehr. Leidtragend ist der Kunde, nicht wir“ (1).
Zwar fließt ein Teil des im Ausland verdienten Geldes nach Nepal zurück. Nach Angaben des Arbeitsministeriums stellten diese Überweisungen im Haushaltsjahr 2016/2017 fast 27 Prozent des nepalesischen Bruttosozialprodukts dar. Jedoch ist die Summe, die in den Privathaushalten ankommt, vergleichsweise bescheiden: rund 80.000 Rupien – etwa 620 € – pro Jahr (3). Das Missverhältnis zu den Kosten und den Risiken der Vermittlung liegt auf der Hand. Arbeitsmigrant*innen stärken statt reglementieren
Bereits die legale Arbeitsmigration führt häufig in Ausbeutung und Abhängigkeitsverhältnisse, wie dies z.B. bezüglich der Arbeitsbedingungen im Vorfeld der WM 2020 in Katar eindeutig dokumentiert ist. Die spezifische Gesetzgebung Nepals gegenüber jungen Frauen erhöht darüber hinaus ihr Risiko, Opfer von Menschenhandel zu werden. Es diskriminiert aufgrund des Geschlechts und verletzt zudem das Menschenrecht auf Freizügigkeit, nach dem jeder Mensch jedes Land – einschließlich seines eigenen – verlassen darf. Wenn aus Arbeitsmigration Arbeit in Würde werden soll, müssen die potentiellen Migrant*innen deutlich gestärkt und die Zielländer der Migration wesentlich effektiver in ihre menschenrechtliche Pflicht genommen werden. (1) Restrictive Labour Migration Policy on Nepalese Women. 2018.
(2) Migration Planning Among Female Prospective Labour Migrants from Nepal. 2018
(3) Nepal Ministry for Labour: Labour Migration for Employment: 2015/2016-2016/2017
Der weltweite Verband von Kleinbäuer*innen „La Via Campesina“, mit dem FIAN eng kooperiert, ruft zu Aktionen gegen die Gewalt an Frauen auf. Für die Aktionswoche gibt es Poster und Postkarten, die hier kostenlos abgerufen werden können.

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Uganda: Anhaltende Menschenrechtsverletzungen infolge der Vertreibung zugunsten der Kaffeeplantage der Neumann Kaffee Gruppe

FIAN veröffentlicht Studie über langanhaltende Folgen Über einen fünfjährigen Zeitraum hat die Menschenrechtsorganisation FIAN die menschenrechtlichen Auswirkungen der gewaltsamen und entschädigungslosen Vertreibung zugunsten der Kaweri Coffee Plantation in Uganda untersucht. Ihre Ergebnisse hat sie nun in einer englischsprachigen Studie veröffentlicht. Darin werden massive Verletzungen sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Menschenrechte durch Uganda und Deutschland aufgezeigt. Die Klage der Vertriebenen wird am 2. Dezember in Uganda erneut vor Gericht verhandelt. Die Vertreibung fand im August 2001 statt. Von 2014 bis 2019 hat ein Team von FIAN fünfmal vor Ort recherchiert und Vertriebene und Schulleiter zu den Lebensbedingungen seit der Vertreibung befragt. In der Studie kommen viele Vertriebene zu Wort. Diese berichten über Hunger und Armut, fehlenden Zugang zu Trinkwasser, unzureichende Wohnsituation und Bildungschancen, auseinanderbrechende Familien sowie Gewalt gegen Frauen. „Das Ausmaß von Hunger, Armut und Gewalt infolge dieser Vertreibung ist erschreckend,“ betont Gertrud Falk von FIAN Deutschland, die an der Studie mitgearbeitet hat. „Die Recherche zeigt, dass die Zeit diese Menschenrechtsverletzungen nicht heilt. Im Gegenteil: sie verschärfen sich zunehmend aufgrund des fehlenden Zugangs zu Agrarland und Wasser“. Vom 18. – 21. August 2001 hatte die ugandische Armee im Bezirk Mubende vier Dörfer zerstört und die Bewohner vertrieben, weil die Regierung das Land an die Kaweri Coffee Plantation Ltd. für den Aufbau einer Kaffeeplantage verpachtet hatte. Die Kaweri Coffee Plantation Ltd. ist ein Tochterunternehmen der Hamburger Neumann Kaffee Gruppe. Die Vertriebenen wurden bis heute nicht entschädigt und prozessieren deswegen gegen den ugandischen Staat und das Tochterunternehmen. Am 1. Juli 2019 hatte das Hohe Gericht in Kampala eine Mediation zwischen Klägern und Beklagten angeordnet. Die Frist dafür ist gestern ohne Ergebnis verstrichen. Die Staatsanwaltschaft hat nicht auf die Forderungen der Vertriebenen reagiert. „Die ugandische Regierung setzt ihre Hinhaltetaktik fort,“ erläutert Falk. „Sie verletzt damit ihre menschenrechtliche Pflicht, die Rechte der Vertriebenen unverzüglich wiederherzustellen und sie zu entschädigen“. Falk ergänzt: „Auch Deutschland ist menschenrechtlich verpflichtet, alle zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen, damit die Vertriebenen entschädigt werden. Die Studie zeigt, dass die Bundesregierung das bisher nicht getan hat.“
Hier finden Sie die Studie Kontakt: Gertrud Falk, Tel. 0221-47 44 91-15, E-Mail: g.falk@fian.de
Weitere Informationen: www.fian.de/fallarbeit/kaweriuganda

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Welternährungstag: Diskriminierung von Frauen bremst Überwindung des Hungers

Berlin/Köln, 15. Oktober 2019. Die Zahl der Menschen, die unter Hunger und „mittlerer oder schwerer Ernährungsunsicherheit“ leiden, ist zwischen 2014 und 2018 um 300 Millionen auf über zwei Milliarden angestiegen. Weltweit lebt nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO beinahe jeder vierte Mensch in der Ungewissheit, ob es am nächsten Tag ausreichend und qualitativ gute Nahrung gibt. Frauen und Mädchen sind stärker betroffen als Männer. Verantwortlich dafür sind vor allem ihre fehlende rechtliche Gleichstellung und Diskriminierung beim Zugang zu Land, heißt es in der neuen Ausgabe des Jahrbuchs zum Recht auf Nahrung. Das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt und die Menschenrechtsorganisation FIAN sind Mitherausgeber des Jahrbuchs, das zum Welternährungstag am 16. Oktober veröffentlicht wird. 
Frauen kommt eine Schlüsselrolle bei der Überwindung von Hunger und Ernährungssicherheit zu, denn sie übernehmen beim Anbau, der Ernte und der Zubereitung von Nahrungsmitteln zentrale Aufgaben. Trotzdem ist die Mehrheit der Hunger leidenden Menschen weiterhin weiblich. Bernhard Walter, Ernährungsexperte von Brot für die Welt, sagt: „Wegen mangelnder politischer Teilhabe, fehlender rechtlicher Gleichstellung und Diskriminierung beim Zugang zu Land und anderen Ressourcen sind Frauen viel stärker von Ernährungsunsicherheit betroffen als Männer. Doch Frauen organisieren sich in vielen Ländern gegen alle Widerstände.“ Philipp Mimkes, Geschäftsführer von FIAN Deutschland ergänzt: „Frauen werden in vielen Ländern in Bezug auf Bildung, Landrechte, Einkommen oder politische Teilhabe diskriminiert. Ihre tragende Rolle in den Ernährungssystemen bleibt in der Regel im Hintergrund. Zudem sind Frauen oftmals systemischer Gewalt ausgesetzt – insbesondere, wenn sie Unternehmensinteressen oder autoritären Regierungen in die Quere kommen. Die Fallbeispiele im neuen Jahrbuch zeigen jedoch eindrücklich die politische Handlungsfähigkeit von Frauen – selbst gegenüber repressiven oder neoliberalen Regierungen.“ Das Recht auf Nahrung ist als Menschenrecht verankert in Artikel 11 des Internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, dem UN-Sozialpakt. Es ist eines der am häufigsten verletzten Menschenrechte. In den Nachhaltigen Entwicklungszielen haben sich die Vereinten Nationen verpflichtet, bis 2030 das Recht auf Nahrung für alle Menschen zu verwirklichen. Das diesjährige Jahrbuch zum Recht auf Nahrung – der Right to Food and Nutrition Watch –  erscheint in englischer, spanischer, französischer und portugiesischer Sprache und wird am 16. Oktober im UN-Committee on World Food Security (CFS) in Rom vorgestellt. Die Autorinnen und Autoren sind Teil vom Global Network for the Right to Food and Nutrition. Hinweise für Redaktionen:
Eine Zusammenfassung des neuesten Jahrbuchs zum Recht auf Nahrung finden Sie hier . Gerne senden wir ein englisches Exemplar in gedruckter Form zu. Online verfügbar ab 16. Oktober unter www.righttofoodandnutrition.org/watch Dr. Bernhard Walter, Referent für Ernährungssicherheit bei Brot für die Welt, steht Ihnen während der Tagung des UN-Komitees für weltweite Ernährungssicherheit bis zum 18. Oktober in Rom für Interviews zur Verfügung. Kontakt in Rom:
Dr. Bernhard Walter, Brot für die Welt: mobil 0172 1032410 oder bernhard.walter@brot-fuer-die-welt.de Kontakt in Köln bzw. Berlin:
Philipp Mimkes, Geschäftsführer FIAN, Tel. 0221 47449120, P.Mimkes@Fian.de
Renate Vacker, Pressesprecherin Brot für die Welt, Tel. 030 65211 1833, presse@brot-fuer-die-welt.de

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Welternährungstag: Hungerzahlen steigen stark an

Die Menschenrechtsorganisation FIAN Deutschland weist anlässlich des Welternährungstags am 16. Oktober darauf hin, dass die Zahl der an „mittlerer oder schwerer Ernährungsunsicherheit“ leidenden Menschen – weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit – in nur vier Jahren um 317 Millionen auf nun über zwei Milliarden Personen gestiegen ist. Dies zeigen jüngste Zahlen der Welternährungsorganisation FAO. Zugleich ist die Datenlage zur Zahl der Todesfälle durch Hunger und Mangelernährung lückenhaft: Schätzungen liegen zwischen 9 und 36 Millionen Menschen pro Jahr. „Das Recht auf Nahrung von einem Viertel der Weltbevölkerung wird verletzt. Dies ist ein politischer Bankrott angesichts von Rekordernten und vollen Nahrungsmittelspeichern“, so Philipp Mimkes, Geschäftsführer von FIAN Deutschland. „Hungernde sind meist marginalisiert, weswegen dieses stille Drama in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird.“ Exemplarisch ist die Entwicklung in Südamerika, einem von der industriellen Agrarwirtschaft dominierten Kontinent: Trotz gewaltiger Expansion der Agrarflächen ist regelmäßiger Hunger dort stark angestiegen. 131 Millionen Menschen sind betroffen, ein Anstieg um 67 % seit dem Jahr 2014. Südamerika ist bekannt für die aggressive Expansion der Produktion weniger Agrargüter wie Soja, Rindfleisch oder Zuckerrohr. „Dieses industrielle Agrarmodell wird immer wieder als "modern" betitelt – auch von den davon profitierenden Agrarkonzernen wie Bayer, BASF oder Syngenta. Es ist jedoch viele Jahrzehnte alt und geht an den Bedürfnissen der Hungernden vollkommen vorbei. Dies zeigen die Zahlen aus Südamerika auf erschreckend deutliche Weise“, so Roman Herre, Agrarreferent von FIAN Deutschland. Zu den wichtigsten Hungerursachen gehören soziale Ungerechtigkeit, Diskriminierung und ungerechte Handelsstrukturen. FIAN fordert daher eine menschenrechtlich ausgerichtete Hungerbekämpfung, die – neben der akuten Katastrophenhilfe, der Bekämpfung der Erderhitzung und der Beendigung kriegerischer Konflikte – zuerst die Rechte marginalisierter Bevölkerungsgruppen stärkt.
Kontakt:
Philipp Mimkes, 0221-474491-20
Roman Herre, 0221-474491-13 Hintergrund zur Pressemitteilung Definitionen
Die FAO hat 2019 zur Hungerbemessung erstmals umfassende Daten des neuen Indikators FIES (Food Insecurity Experience Scale) berücksichtigt. Er beruht im Gegensatz zum klassischen Indikator Prevalence of Undernourishment (PoU) auf konkreten Haushaltsbefragungen. Die weltweite Erhebung des FIES-Indikators ermöglicht eine genauere Analyse der Hunger-Ursachen, obgleich eine Aufschlüsselung nach Ländern weiterhin fehlt. Hintergrund zum FIES
Der FIES wurde als zusätzlicher Indikator zur Erreichung von SDG 2 („Den Hunger weltweit bis zum Jahr 2030 beenden“) etabliert. Er kann unterschiedliche Schweregrade von Hunger und Ernährungsunsicherheit messen. Mit dem diesjährigen Bericht der FAO zu Hungerzahlen (SOFI, Juli 2019) wurden erstmals Zahlen zu „moderater Ernährungsunsicherheit“ (moderate food insecurity) veröffentlicht. Zudem bietet der neue Indikator die Möglichkeit, die Daten zu disaggregieren – also nach Geschlecht, Alter, Wohnort etc. aufzuschlüsseln. Dadurch können zugrundeliegenden Ursachen von Hunger deutlich besser analysiert und die Wirkung politischer Maßnahmen auf marginalisierte Gruppen hergestellt werden. Rekordernten und Lagerbestände
Die Weltgetreideernte beinhaltet die Ernte der global bedeutendsten Grundnahrungsmittel Weizen, Mais und Reis. Laut FAO (Food Outlook 5/2019) ist die Weltgetreideernte in den letzten 10 Jahren stark angestiegen, von 2,2 auf 2,8 Milliarden Tonnen (+27%). Die Weltbevölkerung ist im gleichen Zeitraum um 11% gewachsen. Auch die Weltgetreidespeicher sind deutlich besser gefüllt als noch vor 10 Jahren (852 Millionen Tonnen gegenüber 520 Millionen Tonnen).
 
Wie viele Menschen sterben an Hunger?
Es gibt keine systematischen Untersuchungen zu der Zahl der Menschen, die an den Folgen von Hunger und Mangelernährung sterben. Verschiedene UN-Organisationen haben dazu unterschiedliche Schätzungen veröffentlicht. Laut FAO-Bericht aus dem Jahr 2002 sterben täglich 25.000 Menschen an den Folgen von Hunger und Mangelernährung, somit 9,1 Millionen pro Jahr. Laut dem damaligen UN-Sonderberichterstatter zum Recht auf Nahrung starben 2006 etwa 36 Millionen Menschen an den Folgen von Hunger und Mangelernährung. Den Hintergrund können Sie hier als pdf abrufen.
 




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Buchneuerscheinung: “Fair einkaufen – aber wie?”

Das Standardwerk des Fairen Handels „Fair einkaufen – aber wie? – das Handbuch für Fairen Handel, Mode, Geld, Reisen, Elektronik und Genuss“ ist jetzt noch aktueller, informativer und dicker. Freuen Sie sich auf viel Neues: Wir  haben recherchiert, was ein fairer Lohn ist, wie der Faire Handel auf den Klimawandel reagiert, was eine Abschaffung der Kaffeesteuer bringt und wie mies die Arbeitsbedingungen in osteuropäischen Schuhfabriken sind. Neu ist unter anderem auch, wie gut fair zu vegan, bio und regional passt, was Divestment, Direct Trade und Wertschöpfung bedeuten, wie Huawei, Apple & Co. produzieren lassen, was es mit dem Grünen Knopf für Mode auf sich hat und warum Lidl bei fairen Bananen einen Rückzieher gemacht hat.
Das Buch informiert Konsumentinnen und Konsumenten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, wie der Faire Handel funktioniert, wer seine Akteure sind, woran sie faire Produkte erkennen, welche Siegel glaubwürdig sind, wer den Fairen Handel kontrolliert und welches die neuen Trends bei fairen Lebensmitteln sind. In den Kapiteln A wie Ananas bis Z wie Zucker steht, wo sie das jeweilige faire Produkt in allen drei Ländern kaufen können. 
Vier weitere Kapitel gehen auf die Missstände in der Herstellung unserer Kleidung und Smartphones sowie auf die Folgen von Overtourism und herkömmlichen Geldanlagen ein – und zeigen, worauf jeder einzelne Konsument, Reisende und Sparer achten kann. Noch mehr Grafiken, Tipps, Experteninterviews und Hintergründe sowie ein ausführlicher Infoteil mit Web-Tipps und Literaturempfehlungen runden den 432 Seiten starken Ratgeber ab.
Ein weiteres Highlight zum zehnjährigen Jubiläum von „Fair einkaufen – aber wie?“ ist das Vorwort von Dr. Vandana Shiva, Trägerin des Alternativen Nobelpreises. In dem Buch gibt es unter anderem auch ein Interview mit dem Fian-Referent Roman Herre und mehrere Zitationen von der Fian-Referentin Gertrud Falk. Weitere Informationen über das Buch gibt es hier.

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FIAN kritisiert die von der Regierung Ugandas vorgeschlagene Entschädigung für die Vertriebenen im Fall Neumann Kaffee Gruppe als deutlich zu niedrig

Am 10. Oktober findet im Mediationsverfahren zur Entschädigung von mehr als 2.000 gewaltsam vertriebenen Bäuerinnen und Bauern zugunsten der Kaffeeplantage der Neumann Kaffee Gruppe das zweite Treffen statt.  Das Mediationsverfahren wurde am 1. Juli 2019 vom Hohen Gericht in Kampala angeordnet. Im Vorfeld der Sitzung bietet die Generalstaatsanwaltschaft einen finanziellen Ausgleich von 1,9 Milliarden ugandischen Schilling (UGX) an, was rund 467.600 Euro entspricht. FIAN begrüßt, dass die Regierung Ugandas ihre Pflicht zur Entschädigung der Vertriebenen anerkennt, kritisiert jedoch den viel zu niedrigen Betrag. Dieser entspricht nur der Hälfte des von den Vertriebenen in ihrer Klage aus dem Jahr 2002 geforderten Betrags und berücksichtigt weder Zinsen noch Inflation. Die Neumann Kaffee Gruppe hat noch kein Entschädigungsangebot vorgelegt. Die gewaltsame Räumung fand vom 18. - 21. August 2001 statt. Etwa 4.000 Einwohner von vier Dörfern im Bezirk Mubende wurden von ihrem Land vertrieben und ihre Häuser zerstört, ohne dass die Betroffenen entschädigt wurden. Seitdem leiden viele von ihnen unter Hunger und Armut, während die Kaweri Coffee Plantation auf dem Land Kaffee produziert. Im August 2002 haben die Vertriebenen die Regierung von Uganda und das Unternehmen auf Schadenersatz in Höhe von 3,9 Mrd UGX (ca. 935.000 €) verklagt. Der Fall ist noch immer vor Gericht. In einem ersten Urteil vom März 2013 hat der High Court Nakawa den geforderten Betrag um Zinssätze ergänzt und die Anwälte der Kaweri Coffee Plantation Ltd. zu einer Entschädigung von 37 Mrd UGX (rund 9 Mio Euro) verurteilt.
 
„Das Angebot ist ein Schlag in das Gesicht der Menschen, die im Zuge der Vertreibung ihre Existenz verloren haben“, sagt Gertrud Falk, die den Fall für FIAN Deutschland seit 2003 begleitet. „Der angebotene Betrag von 467.600 € bedeutet, dass jeder der Kläger nur 116 € für die Zerstörung seines gesamten Eigentums und 18 Jahre Leiden erhalten würde.“ FIAN fordert den Präsidenten von Uganda sowie den Geschäftsführer der Neumann Kaffee Gruppe, Christian Neumann, auf, für eine angemessene Entschädigung der Vertriebenen zu sorgen. „Auch die Bundesregierung muss sowohl ihren diplomatischen Einfluss auf Uganda geltend machen als auch ihre Beziehungen zur Neumann Kaffee Gruppe nutzen, damit die Vertriebenen eine menschenwürdige Entschädigung erhalten“, so Falk weiter.
 
Den Brief der Generalstaatsanwaltschaft mit der vorgeschlagenen Vergütung können Sie hier nachlesen.
Hier finden Sie FIANs Briefaktion und die Online-Petition zum Fall. Kontakt:
Gertrud Falk, FIAN Deutschland, Tel. 0221-47 44 91-15, E-Mail: g.falk@fian.de Hintergrundinformationen: https://www.fian.de/fallarbeit/kaweriuganda/

Original-Artikel unter fian.de