Artikel zum Thema Brasilien

13. April 2012 im regenbogenKINO und 15. März 2012 im Moviemento Kino

Filmvorführung: KAHLSCHLAG – Der Kampf um Brasiliens letzte Wälder

Der Dokumentarfilmer Marco Keller stellt seinen Film gemeinsam mit FIAN und Amnesty International persönlich vor.

KAHLSCHLAG – Der Kampf um Brasiliens letzte Wälder erzählt eindrucksvoll von den Auswirkungen einer intensiven und exportorientierten Landwirtschaft auf indigene Gemeinschaften Brasiliens. Sojaanbau, Landkonflikte, Umweltzerstörung und ihre globalen Zusammenhänge werden eindringlich durch die Betroffenen selbst gezeigt. Der Film verdeutlicht, wie die UreinwohnerInnen ihrer Lebensgrundlage beraubt werden. An den Rand gedrängt versuchen sie, ihre Kultur und ein letztes Stück Identität zu bewahren. KAHLSCHLAG ist ein Film, welcher trotz seiner komplexen Thematik emotional berührt und zur Diskussion einlädt.

Im Anschluss an den Film stehen Marco Keller sowie VertreterInnen der Menschrechtsorganisationen FIAN und Amnesty International dem Publikum für weitere Informationen und eine Diskussion zur Verfügung.

Acker soll Renten sichern, statt Hungernde ernähren

Deutsche Rentenversicherte sollen an der globalen Jagd nach Ackerland beteiligt werden

Köln, 23. September 2011. Immer mehr Pensionsfonds steigen in den Agrarsektor ein. Sie sichern sich riesige Ackerflächen und hoffen auf hohe Renditen für ihre Kunden. Nun will auch die deutsche Pensionskasse Ärzteversorgung Westfalen-Lippe auf den Zug aufspringen. Zusammen mit Pensionskassen aus den USA und Schweden will sie einen mehrere hundert Millionen US-Dollar schweren Agrarlandfonds auflegen, der unter anderem riesige Flächen in Brasilien aufkaufen soll.

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Brasilien: Agrartreibstoffe vertreiben die Guarani-Kaiowá von ihrem Land

Besuch Anastacio Guarani 2010

Anastácio Peralta bei Markus Löning, Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung
Copyright: Egon Heck, Archiv CIMI

Von der aktuellen Situation in Mato Grosso do Sul, nahe der Grenze zu Paraguay, berichteten am 6. Dezember 2010 Anastácio Peralta von den Guarani-Kaiowá, Egon Heck (Indianermissionsrat CIMI), Jônia Rodrigues (FIAN Brasilien) und Verena Glass (Repórter Brasil). Sie hatten zuvor schon bei Markus Löning, dem Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, und bei der brasilianischen Botschaft ihren Forderungen nach einer Verbesserung der Situation der Guarani-Kaiowá Gehör verschafft.

Die indigene Gruppe der Guarani-Kaiowá wurde in der Vergangenheit von ihrem Stammesland im Westen Brasiliens vertrieben, um Platz zu machen für Zuckerrohrplantagen und Viehzucht. Die Guarani-Kaiowá werden von den Landbesitzern mit Gewalt bedroht und müssen unter menschenunwürdigen Bedingungen auf den Plantagen arbeiten.

Besuch Anastacio Guarani 2010

In der brasilianischen Botschaft
Copyright: Egon Heck, Archiv CIMI

Die brasilianische Regierung stützt die Zuckerindustrie, weil für die Zukunft verstärkte Exporte von Agrartreibstoffen geplant sind, gerade auch in die EU. Deswegen bemüht sich die brasilianische Botschaft, die Menschenrechtsverletzungen als Einzelfälle kleinzureden. Angesichts der geplanten Ausweitung des Zuckerrohranbaus in Mato Grosso do Sul und des starken Einflusses, den die Zuckerindustrie auf die lokale Politik hat, ist aber vielmehr zu befürchten, dass der jahrzehntelange Kampf der Guarani um ihr Land so schnell noch kein Ende finden wird. Zudem steigen verstärkt internationale Konzerne in die brasilianische Zuckerindustrie ein – auch hier sehen wir also ein Beispiel von Landgrabbing.

Copyright: Egon Heck, Archiv CIMI

Mehr zu den Forderungen der Guarani;. weitere Hintergrundinfos gibt es auch in der mittlerweile abgelaufenen Eilaktion. Wer Portugiesisch lesen kann, findet hier und hier zwei Berichte von Egon Heck über die Rundreise durch Norwegen, Belgien, Deutschland und die Schweiz. Ebenfalls auf Portugiesisch ist dieser Link zur Solidaritätskampagne mit den Guarani.

Zur Mythologie der Guarani gehört die Suche nach der Terra sem males, dem Land ohne Übel, dem Paradies. Die brasilianischen Gäste waren sich einig, dass dies angesichts der winterlichen Temperaturen nicht Europa sein könne … dennoch hatten wir gemeinsam viel Spaß beim Bau eines indianischen Schneemanns!

Besuch Anastacio Guarani 2010Besuch Anastacio Guarani 2010

Ein Weltsozialforum in Amazonien

Das Weltsozialforum, das vom 27. Januar bis 1. Februar 2009 in Belém do Pará (Brasilien) stattfand, können wir zwar nicht als Veranstaltung der FIAN-Gruppe Berlin verbuchen, aber wir haben hier einen Bericht aus erster Hand von unserem Gruppenmitglied Kim Weidenberg.
Welt­so­zi­al­fo­rum 2009 Belém„Em breve“ – in aller Kürze – heißt in Brasilien so viel wie „Setz dich, nimm dir Zeit“, denn nun folgt eine lange und ausführliche Rede. Ähnlich dem syrischen “Unter uns gesagt“, was die Einleitung einer möglichst lang anhaltenden Verbreitung von Gerüchten und Geschichten bedeutet, lieben es viele BrasilianerInnen, ihre Meinung zu fast allen Themen kundzutun, zu begründen und mit vielen Gesten und Beispielen zu untermalen.
Diese brasilianische Eigenheit war sicher nur eine der Herausforderungen auf dem WSF für viele NordamerikanerInnen und EuropäerInnen, die aus dem Winter nach Belém bei 35 Grad und 70 Prozent Luftfeuchtigkeit kamen. Weiterlesen

Kritischer Besuch bei der Konrad-Adenauer-Stiftung

Am 24./25. April 2008 veranstaltete die Konrad-Adenauer-Stiftung gemeinsam mit der Deutsch-Brasilianischen Gesellschaft ein Symposium zum Thema „Kriminalität und Gewalt als Herausforderungen für die Demokratie in Brasilien“. Erster eingeladener Redner aus Brasilien war eben jener Paulo Sette Câmara, der als Staatssekretär für Öffentliche Sicherheit in Pará für das Massaker von Eldorado dos Carajás verantwortlich gewesen war, an das wir mit den Aktionen zum Tag der Landlosen exakt eine Woche vorher erinnert hatten. Weiterlesen

Tag der Landlosen

Am 17. April 1996 wurden in Brasilien 19 Landarbeiter nahe der Stadt Eldorado dos Carajás im Bundesstaat Pará von Polizisten erschossen, 81 Personen wurden verletzt. Die Personen waren TeilnehmerInnen des „Marsches für eine Agrarreform“, der am 10. April von 1.500 Familien landloser ArbeiterInnen ins Leben gerufen wurde. Die Protestierenden blockierten dabei die Bundesstraße PA-150. Der Staatssekretär für öffentliche Sicherheit von Pará, Paulo Sette Câmara, erteilte daraufhin am 17. April 1996 an die Polizei die Anweisung, „unter Anwendung notwendiger Mittel, inklusive Schusswaffengebrauch“ die Bundesstraße PA-150 von den Demonstranten zu räumen. Seit diesem Massaker wird jährlich der 17. April als „Tag der Landlosen“ in Erinnerung an die Opfer weltweit begangen.

La Via Campesina ist eine weltweite Vereinigung von Kleinbauern und –bäuerinnen, die für ihre Rechte kämpfen. FIAN und Via Campesina haben 1999 gemeinsam die Globale Kampagne für die Agrarreform gestartet. Der Indonesier Henry Saragih, Vorsitzender von Via Campesina, ist von der britischen Tageszeitung The Guardian im Januar als eine der „50 Personen, die die Erde retten könnten“ ausgezeichnet worden.

Gleich mit zwei Veranstaltungen hat sich die Berliner FIAN-Gruppe dieses Jahr an den Aktionen zum Tag den Tag der Landlosen beteiligt. Beide Aktionen – eine Informationsveranstaltung am Abend des 16.04.06 und eine Straßenaktion am 17.04. – richteten sich in diesem Jahr gegen den agroindustriellen Anbau von Agrotreibstoffen, sogenanntem Biosprit, der häufig zu Vertreibung von Kleinbäuerinnen und -bauern sowie Landlosen führt. Weiterlesen