Artikel zum Thema Landgrabbing

Brasilien: Agrartreibstoffe vertreiben die Guarani-Kaiowá von ihrem Land

Besuch Anastacio Guarani 2010

Anastácio Peralta bei Markus Löning, Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung
Copyright: Egon Heck, Archiv CIMI

Von der aktuellen Situation in Mato Grosso do Sul, nahe der Grenze zu Paraguay, berichteten am 6. Dezember 2010 Anastácio Peralta von den Guarani-Kaiowá, Egon Heck (Indianermissionsrat CIMI), Jônia Rodrigues (FIAN Brasilien) und Verena Glass (Repórter Brasil). Sie hatten zuvor schon bei Markus Löning, dem Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, und bei der brasilianischen Botschaft ihren Forderungen nach einer Verbesserung der Situation der Guarani-Kaiowá Gehör verschafft.

Die indigene Gruppe der Guarani-Kaiowá wurde in der Vergangenheit von ihrem Stammesland im Westen Brasiliens vertrieben, um Platz zu machen für Zuckerrohrplantagen und Viehzucht. Die Guarani-Kaiowá werden von den Landbesitzern mit Gewalt bedroht und müssen unter menschenunwürdigen Bedingungen auf den Plantagen arbeiten.

Besuch Anastacio Guarani 2010

In der brasilianischen Botschaft
Copyright: Egon Heck, Archiv CIMI

Die brasilianische Regierung stützt die Zuckerindustrie, weil für die Zukunft verstärkte Exporte von Agrartreibstoffen geplant sind, gerade auch in die EU. Deswegen bemüht sich die brasilianische Botschaft, die Menschenrechtsverletzungen als Einzelfälle kleinzureden. Angesichts der geplanten Ausweitung des Zuckerrohranbaus in Mato Grosso do Sul und des starken Einflusses, den die Zuckerindustrie auf die lokale Politik hat, ist aber vielmehr zu befürchten, dass der jahrzehntelange Kampf der Guarani um ihr Land so schnell noch kein Ende finden wird. Zudem steigen verstärkt internationale Konzerne in die brasilianische Zuckerindustrie ein – auch hier sehen wir also ein Beispiel von Landgrabbing.

Copyright: Egon Heck, Archiv CIMI

Mehr zu den Forderungen der Guarani;. weitere Hintergrundinfos gibt es auch in der mittlerweile abgelaufenen Eilaktion. Wer Portugiesisch lesen kann, findet hier und hier zwei Berichte von Egon Heck über die Rundreise durch Norwegen, Belgien, Deutschland und die Schweiz. Ebenfalls auf Portugiesisch ist dieser Link zur Solidaritätskampagne mit den Guarani.

Zur Mythologie der Guarani gehört die Suche nach der Terra sem males, dem Land ohne Übel, dem Paradies. Die brasilianischen Gäste waren sich einig, dass dies angesichts der winterlichen Temperaturen nicht Europa sein könne … dennoch hatten wir gemeinsam viel Spaß beim Bau eines indianischen Schneemanns!

Besuch Anastacio Guarani 2010Besuch Anastacio Guarani 2010

Landgrabbing in Ghana – Wie Bauern mit falschen Versprechungen gelockt werden

Die Neokolonialisierung Afrikas durch ausländische Agrarkonzerne schreitet stetig voran. Mit von der Partie sind nicht nur Länder wie China oder die Golfstaaten, die sich Flächen zur Nahrungsmittelproduktion sichern, sondern auch europäische und deutsche Unternehmen – zur Produktion von Agrartreibstoffen. Das neue Energiekonzept der Bundesregierung lässt in dieser Hinsicht nichts Gutes erwarten – laut einem Artikel der Frankfurter Rundschau sollen bis zum Jahr 2050 85% des in Deutschland erzeugten Treibstoffs aus Biomasse stammen. Dies würde den Bedarf an importierten Agrartreibstoffen erheblich steigern. Was dieser Energiehunger für Bauern im Norden Ghanas bedeuten kann, hat der ghanaische Agrarökonom Bakari Nyari am Beispiel der Gemeinde Kusawgu beschrieben. Bakari Nyaris einfühlsamer Bericht über die Vorgänge im Norden Ghanas findet sich hier, ein Interview mit ihm bei biofuelwatch.

Die norwegische Firma BioFuel AS wollte dort die "größte Jatropha-Plantage der Welt" anlegen und hat den Bauern, die unter schwierigen Bedingungen vorwiegend Subsistenzwirtschaft betreiben, Arbeitsplätze und eine bessere Zukunft versprochen. Stattdessen wurde der Wald abgeholzt, den die Menschen vor Ort als Nahrungs- und Einnahmequelle nutzten. Die Abholzung bedroht gleichzeitig das Mikroklima. In Kusawgu ist es gelungen, das ursprünglich mit dem traditionellen Häuptling geschlossene Abkommen über die Überlassung von 38.000 ha Land nach längeren juristischen Auseinandersetzungen rückgängig zu machen. Der weltweite Trend hin zu immer mehr großflächigen Landnahmen ist damit aber noch längst nicht gestoppt.

Bakari Nyari wollte ursprünglich im Dezember in Berlin über seine Erfahrungen berichten, leider musste er die Reise aber wegen Krankheit absagen. Stattdessen findet nun am 17.12. eine Veranstaltung mit Edwyn Odeny aus Kenia statt.

Investoren heizen Landnahme und Hunger an – Mitverantwortung deutscher Finanzdienstleister wie der Deutschen Bank

Laut einer von FIAN in Auftrag gegebenen Studie beteiligen sich deutsche Finanzdienstleister über Investmentfonds umfassend am globalen Ausverkauf von Ackerland. Vor allem in den Jahren 2007 und 2008 wurde in Deutschland eine Vielzahl von Fonds aufgelegt, die in den Agrarsektor investieren. Deren Gesamtvolumen beträgt aktuell über 5 Milliarden Euro. Wenigstens eine viertel Milliarde Euro flossen dabei in Firmen, die in großem Stil Land in Afrika, Asien oder Lateinamerika akquirieren.
Die Studie zeigt, dass etwa 1,5 Millionen Hektar Land durch Firmen der Fonds in Afrika und Lateinamerika gekauft oder gepachtet wurde. Zielländer sind unter anderem Hungerländer wie Äthiopien oder die Demokratische Republik Kongo. Am 8.11.2010 berichtete das Politmagazin Report Mainz über die Rechercheergebnisse zur Rolle der Deutschen Bank. Weiterlesen

Die Gier nach Land schafft weltweit Hunger – „Brot für die Welt“ und FIAN fordern weltweite Regulierung

Berlin, 12. Oktober 2010. Immer mehr Land in Entwicklungsländern wird für die Exportproduktion an Konzerne verpachtet oder verkauft. Auf die Gefahren des sogenannten „Landgrabbings“ für die Ernährungssicherheit haben heute anlässlich des Welternährungstags „Brot für die Welt“ und die Menschenrechtsorganisation FIAN in Berlin hingewiesen. Sie fordern, dass die einheimische Nahrungsmittelproduktion wieder Vorrang vor Profitinteressen erhält. Nur so kann die Zahl der Hungernden nachhaltig gesenkt werden.

Es gibt ein Menschenrecht auf Nahrung, keins auf ein Auto.„Wir verurteilen die Nutzung von fruchtbarem Land für die Produktion von Agrotreibstoffen“, sagt Mohamed Conteh von MADAM in Sierra Leone, einer Partnerorganisation von „Brot für die Welt“. „Agrotreibstoffe sind die Blutdiamanten der heutigen Zeit. Die Folge sind Menschenrechts-verletzungen.“ Conteh berichtete, dass alleine in Sierra Leone derzeit über die Pacht von ungefähr 1,5 Millionen Hektar Ackerland mit ausländischen Konzernen verhandelt werde. Er befürchtet, dass die Ernährungssicherheit von 17.000 Menschen im Norden des Landes durch ein Großprojekt gefährdet wird. Ein Bioenergie-Konzern aus der Schweiz will dort auf 58.000 Hektar Zuckerrohr und Maniok für die Ethanolherstellung anbauen. Conteh forderte seine Regierung auf, stattdessen Nahrungsmittel für die heimische Bevölkerung anzupflanzen.

Die Finanzkrise habe aktiv zu diesem Problem beigetragen, sagt Roman Herre, Agrarreferent bei FIAN. Für Investoren sei es derzeit attraktiv, in Rohstoffmärkte und die Landwirtschaft zu investieren. „Knappe Ressourcen und Hunger sind für Agrar-Investmentfonds Garanten für Gewinne“, so Herre. „Deutsche und europäische Fonds spielen dabei eine zentrale Rolle.“ Die Bedeutung solcher Fonds werde derzeit völlig unterschätzt.

Wohlhabende Staaten, Konzerne und Investmentgesellschaften sichern sich in bisher nicht gekanntem Ausmaß Ländereien. Allein zwischen Oktober 2008 und Juni 2009 wurde über insgesamt 46,6 Millionen Hektar Land verhandelt – das entspricht nahezu der Hälfte der Ackerfläche der Europäischen Union. Drei Viertel davon liegen in Afrika. Neben Nahrungsmitteln für den Export sollen auch Tierfutter und Energiepflanzen angebaut werden. Gleichzeitig müssen heute schon viele Länder wie Madagaskar, Kenia oder Sierra Leone selbst umfangreich Nahrungsmittel importieren.

Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Agrartreibstoff-Lobby will eine halbe Milliarde Hektar Land für Energiepflanzen nutzen.

Vom 19. – 20. Mai 2010 fand im  spanischen Sevilla die internationale Konferenz der Agrartreibstoffindustrie "World Biofuels 2010" statt. Dort wurden die Ausbaupläne der Agrartreibstoff-Befürworter mit schockierden Zahlen untermauert. 480 Millionen Hektar Land sollen bis 2045 für den Anbau von Energiepflanzen genutzt werden. Die Menschenrechtsorganisation FIAN ist entsetzt über diese angeblich nachhaltigen Zielsetzungen, die sogar mit der Umweltorganisation WWF einen Fürsprecher findet. Laut FIAN werden solche Pläne massive Vertreibung ländlicher Gruppen mit sich bringen und den Hunger weltweit verschärfen. Weiterlesen

Landraub – Macht – Hunger. Straßenaktion zum Tag der Landlosen am 17.04.2010

Anlässlich des Tages der Landlosen (Via Campesina Aktionstag) am 17.04.2010 veranstaltete FIAN gemeinsam mit dem Inkota-Netzwerk eine Protestaktion auf dem Potsdamer Platz.

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Ziel der friedlichen Aktion war die Aufklärung der Öffentlichkeit über moderne Landnahmen und ihre Folgen in Afrika und Asien. Hierfür wurden in einer politischen Aktionstheater-Performance Landnahme und die Vertreibung von Bauern und Bäuerinnen durch internationale Konzerne dargestellt. Für Informationen zu einem aktuellen Fall von Landnahme in Kambodscha hier klicken. Weiterlesen

10.000 Unterschriften gegen Landraub überreicht!

Am 12.11.2009 haben VertreterInnen verschiedener Organisationen (darunter FIAN) 10.000 Unterschriften an die kolumbianische Botschafterin überreicht. Sie protestierten damit gegen die gewaltsame Vertreibung von zehntausenden Menschen in Kolumbien zu Gunsten von Palmölplantagen. Das Video dokumentiert die Postkartenübergabe und gibt Details zur Lage in Kolumbien. Zur Pressemitteilung zur Aktion von INKOTA hier klicken.

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Kundgebung zum Tag der Landlosen

Hier zwei Bilder von unserer Kundgebung zum Tag der Landlosen (draufklicken, um sie in voller Größe zu betrachten) – einer Aktion vor der paraguayischen Botschaft zur Unterstützung der Forderung auf Landrechte des Volkes der Sawhoyamaxa. Mehr dazu

Tag der Land­lo­sen 2009 Tag der Land­lo­sen 2009