Artikel zum Thema FIAN Deutschland

Rezension: „Die Grüne Lüge – Weltrettung als profitables Geschäftsmodell“ von Kathrin Hartmann

Greenwashing wird von Unternehmen in den unterschiedlichsten Branchen genutzt. Dabei gilt: „Wenn man etwas nur oft genug wiederholt, wird es schließlich als Wahrheit akzeptiert.“ So titelt Kathrin Hartmann „Autofahren für den Klimaschutz“ und beschreibt damit, wie die westliche Welt die Augen vor der Realität verschließt. Denn hinter dem vermehrt „nachhaltigen“ Auftreten großer Firmen versteckt sich meist nicht etwa eine ökologische oder soziale Komponente, sondern schlichtweg Propaganda. Dies führt dazu, dass viele Menschen, die sich selbst als umweltbewusst bezeichnen und es aufgrund ihres Bildungsniveaus eigentlich besser wissen sollten, einen besonders hohen Ressourcenverbrauch aufweisen. Das alles auf Kosten des globalen Südens. Denn während wir in Deutschland so haushalten, als hätten wir 3,1 Erden zu Verfügung, fehlt es anderen Teilen der Welt an den grundlegendsten Ressourcen.

In „Die Grüne Lüge – Weltrettung als profitables Geschäftsmodell“ deckt Kathrin Hartmann schonungslos Schwächen, Fehler und Lügen von angeblichen Umweltschutz-Maßnahmen auf. Dabei wartet Sie mit zahlreichen beängstigenden Fakten und selbst erlebten Beispielen auf. Zwar lassen einige Aussagen der Autorin einen klaren roten Faden vermissen, und nicht immer werden die Leser*innen genügend in die jeweilige Problematik eingeführt. Möglicherweise lohnenswerte Ansätze werden lediglich auf Schwächen abgeklopft - darunter beispielsweise das Modelabel G-Star mit der Linie „Raw for the Ocean“ von Pharrell Williams, das aus Meeresplastik Kleidung herstellen will. Hartmann weist in erster Linie auf die schlechten Arbeitsbedingungen und Löhne der Näherinnen hin. Ob eine aus Meerplastik hergestellte Jeans jedoch geeignet ist, zumindest die Weltmeere zu entlasten wird letztlich nicht beantwortet.

Nichtsdestotrotz beweist Kathrin Hartmann eindrücklich, dass die vermehrt aufbrandenden schönen Ideen zur Weltrettung an den zugrunde liegenden Problemen vorbeizielen und damit sogar eine Legitimierung für das zerstörerische Konsumverhalten der westlichen Welt bieten. Und auch politische Aktivitäten wie die Entwicklung von Gütesiegeln oder die Förderung von Elektroautos haben häufig kontraproduktive Wirkungen. Eine ökologische Nachhaltigkeit hierzulande durch Elektroautos ignoriert beispielsweise die sozialen und ökologischen Bedingungen in den Kobalt-Minen der Produktionsländer. Diese sind für die Produktion von Akkus jedoch unabdingbar.

Konsequenterweise kommt Kathrin Hartmann zu dem einzig möglichen Schluss: ein nachhaltiges Wachstum von Wirtschaft und Wohlstand ist nicht möglich, schon gar nicht durch „grünen Konsum". Vielmehr bedarf es eines Umdenkens von Konsumverhalten und Ansprüchen an den Lebensstandard - und letztlich einer Bekämpfung des gegenwärtigen Kapitalismus. Der grünen Lüge müsse laut Kathrin Hartmann im Kollektiv entgegengetreten werden. Dabei ist jeder Einzelne gefragt und kann durch kleine Beiträge ein Bewusstsein schaffen und damit einen Unterschied machen. Leider gelingt es der Autorin nicht immer, die Thematik noch weiter praktisch runter zu brechen und die einfachen Bürger*innen mitzunehmen. Denn warum würde jemand der, wie sie selbst zuvor angeprangert hat, nicht einmal den eigenen Konsum überdenkt, beim gemeinsamen Widerstand, Bürgerinitiativen, Kämpfen um autofreie Städte oder gar der Besetzung eines Kohletagebaus mitwirken? Zur Analyse der Greenwashing-Mechanismen von Industrie und Politik bietet das Buch dennoch einen gelungenen Einblick.

Pressemitteilung: Beirat gegründet- MenschenrechtsexpertInnen beraten FIAN

Tim Engel, Vorstandsvorsitzender von FIAN Deutschland: „Wir freuen uns sehr, solch erfahrene Menschenrechts-Expertinnen und -Experten für unseren Beirat gewonnen zu haben. Ihr Wissen wird unsere tägliche Arbeit bereichern und unseren Kampf zur Verteidigung der Menschenrechte insgesamt stärken!“. FIAN engagiert sich seit 1986 für eine weltweite Durchsetzung des Rechts auf Nahrung und besitzt Beraterstatus bei den Vereinten Nationen.

Dem Beirat gehören an:
• Prof. Dr. Remo Klinger, Rechtsanwalt und Hochschullehrer
• Christine von Weizsäcker, Biologin, Vorsitzende Ecoropa
• Wolfgang Kaleck, Menschenrechtsanwalt, Generalsekretär ECCHR
• Prof. Dr. Friederike Diaby-Pentzlin, Wirtschaftsvölkerrechtlerin
• PD Dr. Michael Krennerich, Lehrstuhl für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik (Uni Erlangen-Nürnberg), 1. Vorsitzender Nürnberger Menschenrechtszentrum
• Prof. Dr. Maria Müller-Lindenlauf, Agrarwissenschaftlerin mit Fachgebiet Agrarökologie
• Prof. (em) Dr. Franz Segbers, Sozialethiker
• Prof. Dr. Stefan Selke, Soziologe
• Dr. Brigitte Hamm, Politikwissenschaftlerin, ehem. Institut für Entwicklung und Frieden (Uni Duisburg)
• Dr. Rainer Huhle, Politologe, Mitglied UN-Ausschuss gegen das Verschwindenlassen
• Prof. Dr. Hanns Wienold, Soziologe, Ernährungsexperte für Lateinamerika und Südasien
• Prof. Dr. Anne Lenze, Sozialrechtlerin
• Dr. Steffen Kommer, Verwaltungsrichter, Autor „Menschenrechte wider den Hunger“.

Das Gremium wird beratende und repräsentative Funktionen übernehmen und die Vernetzung des Vereins stärken. Wegen der parteipolitischen Unabhängigkeit von FIAN wurden keine Personen eingeladen, die ein aktives politisches Amt ausüben. Die Mitgliedschaft wird jeweils nach fünf Jahren durch den FIAN-Vorstand bestätigt.

Beiratsmitglied PD Dr. Michael Krennerich zur Gründung des Gremiums: „FIAN ist ein unerschrockener Vorreiter nicht nur für das Recht auf Nahrung, sondern auch für die Unteilbarkeit und Universalität der Menschenrechte. Seit 30 Jahren verfolge ich FIANs unermüdliches Engagement. Es ist mir eine Freude und ein echtes Anliegen, FIAN unterstützen zu dürfen!“.

Prof. Dr. Franz Segbers ergänzt: „Unsere Gesellschaft ist stolz auf die Menschenrechte - und das zu Recht. Dass aber Armut, zumal in einem reichen Land wie Deutschland, eine Verletzung von Menschenrechten darstellt, wird verdrängt und geleugnet. Dabei hat sich die Bundesrepublik im UN-Sozialpakt verpflichtet, das „Recht eines jeden auf einen angemessenen Lebensstandard (…) einschließlich ausreichender Ernährung, Bekleidung und Unterbringung, sowie auf eine stetige Verbesserung der Lebensbedingungen“ durchzusetzen. Aus dieser Verpflichtung müssen endlich Taten folgen“.

weitere Informationen zu den Beiratsmitgliedern: www.fian.de/wer-wir-sind/fian-deutschland/beirat

Kambodschanische Pressefreiheit immer weiter eingeschränkt

Im Kambodscha hat die Pressefreiheit mit dem Verkauf der Phnom Penh Post weitere Einschnitte erfahren. Die letzte unabhängige englisch-khmer sprachige Zeitschrift wurde an Sivakumar S. Ganapathy, einen malaysischen Investor verkauft. Im Zuge einer Anordnung, einen Artikel über seine Verflechtung mit der kambodschanischen Regierung von der Veröffentlichung zurück zu nehmen traten viele Mitarbeiter*innen zurück oder wurden entlassen. Besagter Artikel wurde nun von der Website entfernt.

Insbesondere seit den großen Stimmenzuwächsen der Oppositionspartei bei den Kommunalwahlen Mitte 2017 wird die Pressefreiheit Kambodschas schrittweise abgeschafft. Kritische khmer-sprachige Medien werden sukzessive unterdrückt und mit dem Verkauf der Phnom Phen Post ist die Unabhängigkeit der letzten kritischen Zeitung fraglich geworden.
Doch nicht nur Print Medien sind von der Einschränkung der Pressefreiheit betroffen: 32 lokale Radiostationen wurden in den letzten Monaten geschlossen. 2 der Mitarbeiter*innen der Radiostation Radio Free Asia wurden für fast 6 Monate wegen ihrer journalistischen Arbeit inhaftiert. Die Angst vor Verfolgung ist groß und die Anzahl flüchtender Journalisten steigt.

Die freie Presse als Säule der Demokratie ist zwar in der kambodschanischen Verfassung und den internationalen Menschenrechten festgeschrieben, trotzdem droht sie in Kambodscha nun ganz abgeschafft zu werden.

Hier geht es zu dem Pressebericht zum Thema „Landgrabbing in Kambodscha“.

Klimagerechtigkeit: FIAN-Exkursion zum Hambacher Forst

Das rheinische Braunkohle-Revier zwischen Aachen, Köln und Mönchengladbach hat den größten CO2-Ausstoß von Europa. Allein das Kraftwerk Niederaußem stößt jährlich rund 27 Mio. Tonnen Treibhausgase aus. Im Rahmen des Jahresthemas „Klimagerechtigkeit“ machten sich Mitarbeiter*innen und Mitglieder von FIAN Deutschland daher gestern zum Hambacher Forst auf, um eine Führung durch die übrig gebliebenen Teile des Waldes zu erhalten. Der westlich von Köln gelegene Hambacher Forst, einst einer der größten Wälder von NRW, wird seit 1978 Stück für Stück abgeholzt, um Platz für den Braunkohleabbau von RWE zu schaffen. Etwa 90 % des einzigartigen Waldes wurden unwiederbringlich zerstört. Jedes Jahr von Anfang Oktober bis Ende Februar dringen Maschinen weiter ein, um auch die letzten Teile des Waldes zu fällen. Im vergangenen Winter musste erstmals eine Pause stattfinden - mehrere Dutzend Aktivisten vor Ort hoffen, dass es so weitergeht. So trafen die FIANistas in kleinen „Dörfern“ mitten im Wald auf Menschen, die den Wald ihr Zuhause nennen und dort ganzjährig in Baumhäusern auf bis zu 25m Höhe leben. In einem spontanen gemeinsamen Picknick erzählten sie ausführlich von ihrem Ziel, dass unter keinen Umständen auch der letzte Teil des Waldes verloren gehen darf und die Braunkohle-Verstromung gestoppt wird.

Die mittlerweile vierte „Besetzung“ des Waldes läuft bereits seit 2014. Die drei vorausgegangenen wurden aufwändig durch Räumungsaktionen der Polizei beendet. Die „Dörfer“ der Waldbesetzer sind nur wenige hundert Meter von der Rodungskante entfernt. Dort bot sich den Teilnehmer*innen ein erschreckendes Bild: die gerodete Waldfläche des Vorjahres und dahinter das “größte Loch Europas”: auf einer Fläche von 85 Quadratkilometern dringen die Bagger in eine Tiefe von 450 Metern vor. Darin riesige Maschinen, die unermüdlich Abraum und Braunkohle schaufeln. Am Horizont schließlich ein künstlich angelegter Berg, der aus dem Aushub entstand.

Mit all den Bildern im Kopf ging der Weg zurück entlang des übrig gebliebenen kleinen Waldes mit den zuvor immer wieder gehörten Worten des Reiseführers im Ohr: „Es wird nicht passieren“, „es darf nicht passieren“. Ebenso wie die Waldbesetzer*innen hat auch er die Hoffnung nicht aufgegeben, dass dem klimapolitischen Wahnsinn ein Ende gesetzt wird.

Informationen zum FIAN-Jahresthema: https://bit.ly/2IjFp8d Und den link zu den Waldbesetzern: https://hambacherforst.org/

Radio Interviev mit FIAN Geschäftsführer Philipp Mimkes

Hier anhören. „Hunger ist kein Schicksal“. Unter dieser Überschrift stand ein von Greenpeace produziertes Radio-Interview mit dem Geschäftsführer von FIAN Deutschland, Philipp Mimkes, das heute von Radio Köln ausgestrahlt wurde. Hierin werden Umweltschutzmaßnahmen diskutiert, die ihrerseits zu Menschenrechtsverletzungen führen: „Klimawandel und Menschenrechte sind eng verknüpft. Zum einen gefährdet die Erderwärmung viele Menschenrechte: das Recht auf Wasser, das Recht auf Nahrung, sogar das Recht auf Leben.“ Zugleich ist jedoch auch bei der Bekämpfung des Klimawandels darauf zu achten, dass dieser menschenrechtskonform verläuft. Denn die Industriestaaten haben die Möglichkeit, Klimaschutz-Projekte in anderen Ländern durchzuführen. „Wenn zum Beispiel in Panama ein Staudamm gebaut wird, mit dem dann Strom produziert wird - angeblich ohne CO2 Emissionen - auf dem Gelände das überflutet wird jedoch Indigene leben, die hierdurch vertrieben werden, dann ist das natürlich eine Menschenrechtsverletzung. Ähnliches passiert in Kenia wo Geothermiekraftwerke auf Weideräumen der Massai gebaut wurden, die dort vertrieben wurden und keine Kompensation erhielten und deren Existenz dadurch gefährdet wird“, so Mimkes im Interview. Solche Menschenrechtsverletzungen werden jedoch bei der Vergabe von Klima-Zertifikaten nicht beachtet.
FIAN setzt sich dafür ein, dass der dringend notwendige Klimaschutz nicht seinerseits zu neuen Menschenrechtsverletzungen führt. FIAN engagiert sich daher für einen Folgemechanismus ab 2020, der nicht nur den Klima-Aspekt, sondern auch die ökologischen, sozialen und menschenrechtlichen Folgen beachtet. Das vollständige Interview behandelt noch weitere spannende Themen, darunter die ungleiche Verteilung von Nahrungsmitteln, und kann hier nachgehört werden.

Radio Interview mit FIAN Geschäftsführer Philipp Mimkes

Hier anhören. „Hunger ist kein Schicksal“. Unter dieser Überschrift stand ein von Greenpeace produziertes Radio-Interview mit dem Geschäftsführer von FIAN Deutschland, Philipp Mimkes, das heute von Radio Köln ausgestrahlt wurde. Hierin werden Umweltschutzmaßnahmen diskutiert, die ihrerseits zu Menschenrechtsverletzungen führen: „Klimawandel und Menschenrechte sind eng verknüpft. Zum einen gefährdet die Erderwärmung viele Menschenrechte: das Recht auf Wasser, das Recht auf Nahrung, sogar das Recht auf Leben.“ Zugleich ist jedoch auch bei der Bekämpfung des Klimawandels darauf zu achten, dass dieser menschenrechtskonform verläuft. Denn die Industriestaaten haben die Möglichkeit, Klimaschutz-Projekte in anderen Ländern durchzuführen. „Wenn zum Beispiel in Panama ein Staudamm gebaut wird, mit dem dann Strom produziert wird - angeblich ohne CO2 Emissionen - auf dem Gelände das überflutet wird jedoch Indigene leben, die hierdurch vertrieben werden, dann ist das natürlich eine Menschenrechtsverletzung. Ähnliches passiert in Kenia wo Geothermiekraftwerke auf Weideräumen der Massai gebaut wurden, die dort vertrieben wurden und keine Kompensation erhielten und deren Existenz dadurch gefährdet wird“, so Mimkes im Interview. Solche Menschenrechtsverletzungen werden jedoch bei der Vergabe von Klima-Zertifikaten nicht beachtet.
FIAN setzt sich dafür ein, dass der dringend notwendige Klimaschutz nicht seinerseits zu neuen Menschenrechtsverletzungen führt. FIAN engagiert sich daher für einen Folgemechanismus ab 2020, der nicht nur den Klima-Aspekt, sondern auch die ökologischen, sozialen und menschenrechtlichen Folgen beachtet. Das vollständige Interview behandelt noch weitere spannende Themen, darunter die ungleiche Verteilung von Nahrungsmitteln, und kann hier nachgehört werden.

Interview mit FIAN-Geschäftsführer Philipp Mimkes

Hier nachhören „Hunger ist kein Schicksal“. Unter dieser Überschrift stand ein von Greenpeace produziertes Radio-Interview mit dem Geschäftsführer von FIAN Deutschland, Philipp Mimkes, das heute von Radio Köln ausgestrahlt wurde. Hierin werden Umweltschutzmaßnahmen diskutiert, die ihrerseits zu Menschenrechtsverletzungen führen: „Klimawandel und Menschenrechte sind eng verknüpft. Zum einen gefährdet die Erderwärmung viele Menschenrechte: das Recht auf Wasser, das Recht auf Nahrung, sogar das Recht auf Leben.“ Zugleich ist jedoch auch bei der Bekämpfung des Klimawandels darauf zu achten, dass dieser menschenrechtskonform verläuft. Denn die Industriestaaten haben die Möglichkeit, Klimaschutz-Projekte in anderen Ländern durchzuführen. „Wenn zum Beispiel in Panama ein Staudamm gebaut wird, mit dem dann Strom produziert wird - angeblich ohne CO2 Emissionen - auf dem Gelände das überflutet wird jedoch Indigene leben, die hierdurch vertrieben werden, dann ist das natürlich eine Menschenrechtsverletzung. Ähnliches passiert in Kenia wo Geothermiekraftwerke auf Weideräumen der Massai gebaut wurden, die dort vertrieben wurden und keine Kompensation erhielten und deren Existenz dadurch gefährdet wird“, so Mimkes im Interview. Solche Menschenrechtsverletzungen werden jedoch bei der Vergabe von Klima-Zertifikaten nicht beachtet.
FIAN setzt sich dafür ein, dass der dringend notwendige Klimaschutz nicht seinerseits zu neuen Menschenrechtsverletzungen führt. FIAN engagiert sich daher für einen Folgemechanismus ab 2020, der nicht nur den Klima-Aspekt, sondern auch die ökologischen, sozialen und menschenrechtlichen Folgen beachtet. Das vollständige Interview behandelt noch weitere spannende Themen, darunter die ungleiche Verteilung von Nahrungsmitteln, und kann hier nachgehört werden.

Flyer zum Soja-Anbau in Südamerika erschienen

18. April 2018: „Lego... was?“ Die Aktion Agrar hat einen Flyer zum Einsatz von Soja in der Tierfütterung sowie zu umweltfreundlichen Alternativen durch den Anbau von Leguminosen veröffentlicht. FIAN Deutschland und FIAN Paraguay haben an der Erstellung mitgewirkt.
Der Flyer dokumentiert die Auswirkungen des Soja-Anbaus für Mensch und die Umwelt. So kommt es in Brasilien, Argentinien und Paraguay zur Vertreibung von KleinbäuerInnen und der Abholzung riesiger Wälder. Der massenhafte Einsatz von Pestiziden führt zu Erkrankungen, zur Belastung der Böden und dem Rückgang der Biodiversität. Aber nicht nur Mensch und Natur leiden sondern auch die Tiere: erst die großflächige Produktion von Futterpflanzen ermöglicht die niedrigen Futterpreise, durch die die Zahl der Tiere ständig anwächst. Die Folge: Massentierhaltung.
Neue Lösungswege bieten beispielsweise der Anbau von Futterpflanzen bei uns in Europa und das Prinzip der flächengebundenen Landwirtschaft. Hier werden nur so viele Tiere gehalten, wie durch selbsterzeugtes Futter gesättigt werden können.

Viel Spaß beim Lesen! http://bit.ly/sojafalzflyer

FIAN-Jahresbericht 2017 erschienen

18. April 2018: Der Jahresbericht 2017 bietet einen Überblick zur Arbeit von FIAN Deutschland und den Finanzen des Vereins. Unter dem Jahresthema: „Satte Menschen statt satte Gewinne: Für freies Saatgut!“ kämpfte FIAN im vergangenen Jahr besonders für die Rechte der Kleinbauern auf ungehinderten Zugang zu Saatgut. In diesem Zusammenhang engagierte sich FIAN gegen die geplante Fusion von Bayer und Monsanto, organisierte eine Reihe von Protestaktionen und verfasste zusammen mit mehreren Kooperationspartnern das Dossier „Bayer & Monsanto: Bleibt uns vom Acker“. Dieses erschien auch als Beilage der Frankfurter Rundschau.
Einen besonderen Höhepunkt im Jahr 2017 stellte die externe Evaluierung dar. Der FIAN-Arbeit wurde hierin attestiert, äußerst effizient und wirkungsvoll zu sein. Wörtlich heißt es in der Bewertung, FIAN hätte „trotz knapper Ressourcen bemerkenswerte Wirkungen erzielt und hierfür effektive Strategien gefunden“. Hervorgehoben wurden zudem die fachliche Kompetenz der FIAN-Mitarbeiter sowie die Arbeitsweise und Unbestechlichkeit von FIAN. Die Evaluierung wurde von Frauke Seidensticker vorgenommen, ehemals stv. Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte.
Auch zur internationalen Fallarbeit findet sich im Jahresbericht ein Überblick. Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei auf Brasilien und dem dortigen Einsatz deutscher Pensionsgelder sowie auf der Fallarbeit zu Uganda, Ecuador und Burkina Faso.
Auch organisatorisch hielt das Jahr 2017 für FIAN einige Neuerungen bereit: neben der Wahl eines neuen Vorstands für zwei Jahre bei der Mitgliederversammlung in Göttingen formierte sich im Ruhrgebiet eine neue Lokalgruppe. Zudem nahm FIAN Deutschland am International Council aller FIAN-Sektionen in Nepal statt, in dem die gemeinsame Strategie der kommenden fünf Jahre festgelegt wurde.
Den vollständigen Jahresbericht können Sie hier nachlesen: http://bit.ly/FIANJahrebericht2017

Protestaktion vor der brasilianischen Botschaft

[Berlin, Hamm, Köln 17.04.2018]
Ein zivilgesellschaftliches Bündnis aus Bauernorganisationen, entwicklungspolitischen und Menschenrechtsorganisationen hat auf einer Kundgebung und Mahnwache zum internationalen Tag des kleinbäuerlichen Widerstands am 17. April 2018 vor der brasilianischen Botschaft in Berlin protestiert. Mit Transparenten, Großpuppen und in Redebeiträgen forderte das Bündnis gemeinsam mit zwei Delegierten der brasilianischen Landlosenbewegung MST die Stärkung kleinbäuerlicher Rechte weltweit und das Ende der Kriminalisierung sozialer Bewegungen in Brasilien.

„Insbesondere im globalen Süden werden den in der Landwirtschaft tätigen Menschen in wachsendem Umfang wichtige Lebensgrundlagen entzogen und ihre Rechte vielmals bedroht. Der aktuelle internationale Rechtsrahmen reicht nicht aus, um Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zu schützen. Um ihre Rechte zu stärken, setzen wir uns für eine Erklärung des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen ein, die bereits existierende Menschenrechte so ergänzt, dass sie angemessen auf die spezifischen Bedürfnisse und Lebenssituationen ländlicher Bevölkerungsgruppen ausgerichtet sind“, so Angelika Schaffrath Rosario von FIAN.

„Leider hat die EU, von der sich auch Deutschland vertreten ließ, bei der letzten Verhandlungsrunde vom 9. bis 13. April 2018 eine Erklärung für die Rechte von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen torpediert und Vorschläge eingebracht, die die Wirkkraft der Erklärung schwächen würden. Die EU weigert sich, grundlegende Rechte von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen anzuerkennen. Das muss sich ändern“, resümiert Jan Urhahn vom entwicklungspolitischen INKOTA-netzwerk.

Während auf internationaler Ebene um eine Anerkennung von Rechten von Bäuerinnen und Bauern und die Verankerung des Rechts auf Saatgut, Land und anderem gerungen wird, sind in Brasilien die Entwicklungen gegenläufig.

Dazu Wolfgang Hees vom Freundschaftsverein der brasilianischen Landlosenbewegung: „Mit der politischen Neuausrichtung Brasiliens seit dem parlamentarischen Putsch gegen Präsidentin Dilma Rousseff 2016 haben sich die Konfliktlagen in Brasilien verschärft. Unter der amtierenden Regierung von Präsident Temer werden Programme zur Kleinbauernförderung und Agrarreform gekürzt oder ganz eingestampft.“ Nach Angaben von Expert*innen drohe das Land in Anbetracht der aktuellen Entwicklungen wieder auf die Welthungerkarte des World Food Programms zurückzukehren. „Soziale Bewegungen werden diskriminiert, Umwelt- und Menschenrechtsaktivist*innen wie Kleinbäuerinnen und Kleinbauern massiv bedroht, oppositionelle Politiker*innen ermordet. Allein 2017 gab es auf Grund von Landkonflikten 65 Morde.“

„Die EU nutzt diesen Rechtsruck in Brasilien wie auch anderen lateinamerikanischen Ländern, um schnellstmöglich das lange Jahre blockierte Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay abzuschließen. Dieses Handelsabkommen bedient einseitig die Interessen der Agrar- und Ernährungsindustrie wie der multinationalen Konzerne. Diese zielen auf eine Intensivierung der Ausbeutung und Privatisierung natürlicher Ressourcen wie Land, Wasser und Saatgut. Mit der Expansion der exportorientierten Agrarindustrie werden nicht nur die Lebensgrundlagen und kleinbäuerlichen Strukturen in den Mercosur-Ländern weiter zerstört, sondern durch den verschärften Konkurrenzdruck durch Billigimporte aus den Mercosur-Ländern auch bäuerliche Existenzen in Deutschland und Europa. Wir fordern deshalb, das EU-Mercosur-Handelsabkommen zu stoppen – damit eine Wende zu einer bäuerlichen und ökologischeren Landwirtschaft weiter eine Chance hat“, so Jan Dunkhorst vom FDCL.

Wolfgang Hees ergänzt dazu: „Dass es Alternativen zum herrschenden Agrarmodell gibt, hat auch die brasilianische Landlosenbewegung in ihrer über dreißigjährigen Geschichte aufgezeigt. Durch die Methode der Landbesetzung haben 500.000 Familien Zugang zu Land erhalten, die einen erheblichen Beitrag für die Ernährungssouveränität des Landes leisten. In den vergangenen Jahren konnte die MST eine Agrarpolitik befördern, die sich auch an den familiären landwirtschaftlichen Betrieben und agrarökologischem Landbau ausrichtet. All diese Errungenschaften sind aktuell gefährdeter denn je, da mit dem Regierungswechsel in Brasilien wieder ausschließlich das Agrobusiness den Kurs bestimmt.“

Der Gedenktag des kleinbäuerlichen Widerstands wird getragen vom weltweiten Netzwerk La Via Campesina und geht auf ein Massaker am 17.4.1996 im brasilianischen Eldorado dos Carajás zurück, bei dem 19 Landlose der Bewegung der Landlosen MST gefoltert und erschossen wurden.

Die Pressemitteilung wird getragen von:
Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt (ASW), Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), FIAN Deutschland e.V., Freundschaftsverein der Landlosenbewegung MST in Deutschland, Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika (FDCL), Freund*innen des 17. April, INKOTA-netzwerk e.V., treemedia e.V.

Pressekontakte:
Jan Dunkhorst (FDCL): 0157 31 52 12 41
Wolfgang Hees (Freundschaftsverein MST in Deutschland und AbL): 0176 39 87 29 28
Constanze Lemmerich (treemedia e.V.): 0176 54 32 33 92
Jan Urhahn (INKOTA-netzwerk): 0176 70 61 03 81

Weitere Informationen:
> Bäuerliche Rechte stärken – weltweite Diskriminierungen stoppen! Für die UN-Erklärung der Rechte von Kleinbauern und -bäuerinnen und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten: Ein zivilgesellschaftliches Positionspapier von April 2018.
> Hintergrundinfos zur MST-Delegationsreise finden sich hier.