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Ecuador: 77 Familien von expandierender Garnelenzucht bedroht

Zweck dieser Briefaktion ist es, die Aufmerksamkeit der ecuadorianischen Regierung auf den drohenden Landverlust von 77 Familien durch die expandierende Garnelenzucht zu richten. Die Betroffenen in der Gemeinde Los Ángeles sind in den Kleinbauernvereinigungen „Ni Un Paso Atrás“ (dt.: „Nicht einen Schritt zurück“) und „Unidos Venceremos“ („Gemeinsam werden wir siegen“) organisiert. FIAN Ecuador, FIAN International und FIAN Deutschland fordern die ecuadorianische Regierung auf, ihre Landnutzungstitel anzuerkennen und die Menschenrechte der Familien – im Einklang mit der Verfassung und geltendem Völkerrecht – zu schützen. Die Familien benötigen einen sicheren Zugang zu Land und Wasser, um sich selbst in Würde ernähren zu können.
Die Briefaktion kann hier als PDF geladen werden.
Geduckte Exemplare können bestellt werden unter: info@fian.de

Hintergrund

Multilaterale Handelsabkommen ließen die Garnelenexporte aus Ecuador in die Europäischen Union in den letzten Jahren rasant ansteigen. Seit 2017 übersteigt der Wert der exportierten Schalentiere sogar das Handelsvolumen des traditionellen Export-Schlagers Bananen. Doch die Expansion der Garnelenzucht birgt weitreichende menschenrechtliche Risiken, besonders im ecuadorianischen Hochland. FIAN liegen Informationen vor, wonach 77 Familien, die den Vereinigungen „Ni Un Paso Atrás“ und „Unidos Venceremos“ angehören und seit 26 Jahren das Landgut Los Ángeles im Kanton Durán in der Provinz Guayas bewirtschaften, von Zwangsvertreibungen zugunsten der Garnelenzucht bedroht sind. Obwohl der ecuadorianische Staat das Land 2005 für gemeinnützig erklärte und in diesem Zuge die Besitzrechte der Familien beider Vereinigungen anerkannt hat, wird die offizielle Eigentumsübertragung durch die verantwortlichen Institutionen, allen voran das Ministerium für Landwirtschaft und Viehzucht, in fahrlässiger Weise verzögert. Diese Leerstelle wird von Investoren aus dem Garnelensektor ausgenutzt. Nachdem sie bereits in der Umgebung von Los Ángeles großflächig Land für die industrielle Garnelenzucht erwerben konnten, üben sie jetzt Druck auf die Kleinbäuer*innen aus, ihr Land abzutreten. Die drohenden Zwangsvertreibungen würden zum Verlust ihrer Lebensgrundlage führen und das Menschenrecht auf Nahrung der betroffenen Familien untergraben. Denn auf den 94 Hektar Land haben sie nicht nur ihre Wohnhäuser errichtet; effiziente Bewässerung, mechanisierte Bodenbearbeitung und Drainagen erlauben ihnen einen auskömmlichen Ackerbau sowie Fischzucht. Insbesondere der Anbau von Reis stellt eine wichtige Stütze zur Sicherung ihrer Ernährungssouveränität dar. Es ist von größter Wichtigkeit, dass der ecuadorianische Staat endlich aktiv wird und die Besitzrechte der Betroffenen durchsetzt, um die Einschüchterungsversuche zum Verkauf ihres Landes zu stoppen und eine gewaltsame Eskalation des Konflikts zu verhindern.

Original-Artikel unter fian.de [1]