Artikel zum Thema FIAN Deutschland

+++Neue Ausgabe des FoodFirst-Magazins erschienen+++

Trotz ihrer in den vergangenen 30 Jahren verbesserten rechtlichen Situation leiden indigene Völker
überproportional an Diskriminierung und Hunger, nicht zuletzt als Folge der Missachtung kollektiver Landrechte. In der neuen Ausgabe des FoodFirst-Magazins erfahren Sie z.B., dass in Ecuador Bergbaukonzessionen in indigenen Territorien vergeben werden. Sojaplantagen und der Einsatz von in Deutschland hergestellten Agrochemikalien haben fatale Folgen für indigene Gemeinschaften in Paraguay. Ein weiterer Artikel befasst sich mit den Gefahren um den Fortbestand indigener Territorien in Brasilien. Ferner berichten wir über Menschenrechtsverletzungen und desaströse Arbeitsbedingungen von Tee-Pflückerinnen in Indien. FIAN-Agrarreferent Roman Herre bewertet die neuen FAO-Hungerzahlen, in denen der neue Indikator Food Insecurity Experience Scale erstmals berücksichtigt wurde: Demnach ist das Recht auf Nahrung von  zwei Milliarden Menschen – rund 26 Prozent der Weltbevölkerung – verletzt. Hunger und Unterernährung stellen auch in Sambia das Hauptproblem dar, so Archie Mulunda von FIAN Sambia. Wir interviewten ihn bei seinem Deutschlandbesuch zur Ernährungslage, Auswirkungen des Klimawandels auf die ländliche Bevölkerung und die Menschenrechtssituation im Land. Dieser Text kann als Leseprobe online abgerufen werden.
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Original-Artikel unter fian.de

Post-Mortem-Interview mit Alexander von Humboldt

Herr von Humboldt, FIAN gratuliert Ihnen zum 250. Geburtstag!

Oh, es wird wieder viel geschrieben über mich. Ja, es war der 14. September 1769.

Was fällt Ihnen heute an der Menschheit am meisten auf?

Es gibt nach so enormem technischen und wissenschaftlichen Fortschritt immer noch viele Menschen, die hungern. Das ist ein Skandal.

Was gefällt Ihnen an FIAN?

Hätte ich nicht eine gewisse Altersgrenze überschritten (räusper), ich wäre längst beigetreten. Als Spender komme ich auch nicht mehr in Betracht, denn ich habe mein üppiges Erbe zu Lebzeiten voll aufgebraucht. Zum Beispiel bei meiner Südamerikareise 1799 bis 1804. Ich glaube, Sie nennen das heute Fact-Finding-Mission. Was Sie heute als Teamwork propagieren, das habe ich bei meinen Forschungsreisen übrigens auch schon gemacht: Ich bin immer in Teams unterwegs gewesen, habe mir Einheimische als Partner gesucht.

Ist es nicht Zeit für eine Revolution?

Ach wissen Sie, ich habe so viele Revolutionen miterlebt, die haben es alle nicht richtig gebracht. Thomas Jefferson, den US-Präsidenten, habe ich angehauen, dass er die Abschaffung der Sklaverei in die amerikanische Unabhängigkeitserklärung aufnimmt, aber er hat sich den Plantagenbesitzern gebeugt. Die französische Revolution, sie hat Gewalt und Menschenrechtsverletzungen hervorgebracht. Mit Simón Bolívar bin ich durch die Toskana und nach Rom gereist, er hat auch das eine oder andere meiner Ideen übernommen, aber er hat sich in Venezuela und Bolivien nachher in blutigen Bürgerkriegen verzettelt und wurde wie Napoleon zum Diktator. Von der 1848er Revolution in Deutschland will ich lieber gar nicht reden, das war nur frustrierend.

Was sagen Sie zur kleinbäuerlichen Landwirtschaft?

Das ist immer noch ein Thema für Sie? Ich habe schon 1808 darauf hingewiesen, dass Ureinwohner in der Regel gute Sachwalter der natürlichen Ressourcen sind. Die Indigenen waren weder Barbaren noch Wilde! Es ist sinnvoll, wenn kleinbäuerliche Betriebe zunächst mal für den heimischen regionalen Bedarf produzieren, darüber war ich mir mit Thomas Jefferson einig. In Venezuela hungerte die Bevölkerung, nachdem Indigo als Cash Crop den Mais und andere Nahrungsmittel verdrängt hatte. Sie müssen wissen, Indigo erschöpft den Boden mehr als jede andere Pflanze. In Kuba sah ich, dass große Teile des Landes abgeholzt waren für Zuckerrohr und andere Plantagen. Ich musste erkennen, „ohne Importe aus anderen Kolonien verhungert Kuba“.

Wie standen Sie zum Kolonialismus in Südamerika?

Eine Katastrophe für Mensch und Umwelt. Die Spanier waren gekommen, um sich Silber, Gold und Holz zu holen, "durch Gewalt und Tauschhandel", und waren getrieben von "unersättlicher Habsucht". Die Kolonien konnten nur frei und autark werden, wenn sie von den Banden des gehässigen Monopols und dereuropäischen Grausamkeiterlöst wurden. Die Landverteilung war ungerecht. In den Bergwerken gab es Ausbeutung, und es gab viel Gewalt gegen indigene Gruppen. Schauen Sie: Ich habe 1808 bis 1811 in mehreren Bänden Studien zum politischen Zustand des Königreichs Neuspanien und später zu Kuba verfasst. Simón Bolívar hat daraus seine Argumente für die Befreiungsbewegung gezogen. Ich hatte gehofft, mit der Studie die US-Amerikaner dazu zu bringen, dass sie den Freiheitskampf im Süden unterstützen. Die vielen Daten und wirtschaftlichen und militärischen Informationen darin haben sie gerne genommen, aber sie wollten keine vereinigte und mit ihnen konkurrierende Nation auf dem südamerikanischen Kontinent entstehen lassen. Und weiter ihr Getreide nach Südamerika exportieren.

Sie waren also der Ideengeber für die Befreiungsbewegung.

Es wurde behauptet, Simón Bolívar habe im Guerillakampf sogar mein Kartenmaterial verwendet. Sicher ist, dass er die Schönheit und die Bedeutung der natürlichen Ressourcen für die Entwicklung durch mich verstanden hat. In Bolivien hat er eine Million Bäume pflanzen lassen. Ich habe das alles aus der Distanz beobachtet. Mein Freund und Teamkollege Aimé Bonpland betätigte sich als Lieferant von Büchern, einer Druckerpresse und Waffen. Er scheute sich aber, am brutalen Befreiungskrieg teilzunehmen.

Dann sind sie also deswegen in Südamerika immer noch so bekannt. Aber Indien haben Sie bei Ihren Weltreisen ausgelassen?

Die Ostindische Compagnie hat mich nicht reingelassen, obwohl viele Promis sich dafür stark gemacht hatten. Aber ich habe zu sehr die koloniale Ausbeutung und die damit einhergehende Waldabholzung und daraus folgende Bodenerosion kritisiert. Auch meine Reise nach Sibirien gewährte der Zar nur mit Auflagen, die ich total unmöglich fand. Mich interessierten nun mal die sozialen Verhältnisse, in denen die Menschen zusammen leben, ebenso wie die Tiere und Pflanzenarten. Davon wollten meine Auftraggeber nichts wissen.

Sie haben dem Zaren unterschrieben, dass Sie das russische Feudalsystem nicht kritisieren werden?

Kein Wort durfte ich zur Leibeigenschaft sagen! Ich wurde auf Schritt und Tritt quasi wie ein Kranker überwacht. Aber ich habe ein paar Verbannte getroffen und später den Zaren gebeten, sie zu begnadigen.

Freuen Sie sich, dass 2019 in Berlin ein Humboldt-Forum eröffnet wird?

Klar, Berlin braucht eine weltläufige, kosmopolitische Einrichtung, zumal angesichts der nationalistischen Tendenzen jetzt in Ihrer Zeit. Allerdings: Das Ausstellungskonzept mit der kolonialen Beutekunst, naja, wurden die früheren Besitzer dazu befragt? Krass finde ich die Fassade, die dem Stadtschloss der preußischen Monarchie nachempfunden ist. Das ist völlig gegen mein Lebensempfinden und das Konzept reduziert mich auf den Naturforscher. Ich war alles Andere als ein braver Pflanzensammler. Wirklich im Reinen war ich mit dem absolutistischen Regime nie, ich war für die Demokratie.

Sie haben als Kammerherr dem König aus Ihren Werken vorgelesen und jedes Jahr 2500 Taler Pension kassiert.

Nerven Sie mich nicht. Ich stand voll zwischen den Fronten. Den einen Tag stand ich 1848 beim König auf dem Balkon in seinem Stadtschloss, den andern Tag marschierte ich an der Spitze des Trauerzugs für die gefallenen Revolutionäre. Von den aufrührerischen Massen habe ich nichts gehalten, von den brutalen Polizeieinsätzen aber auch nichts. Ich wollte damals ein vereinigtes Deutschland, wie so viele andere auch, und zwar ein föderalistisches.

Welche Bilanz ziehen Sie nach Ihrem langen und bewegten Leben?

Ich hege die schale Hoffnung, dass der Wunsch nach Veränderung nicht für immer verschwunden ist. Dieses Verlangen ist ewig wie der elektromagnetische Sturm, den die Sonne ausstrahlt."

Interview: Johannes Brandstäter (FIAN)

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+++Klimaklagen: neues FIAN Factsheet zum Download verfügbar+++

Der Klimawandel ist deutlich zu spüren und wissenschaftlich belegt. Die Bevölkerung ist mit seinen Folgen konfrontiert und die Politik ergreift keine umfassenden Maßnahmen zum Klimaschutz. Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens durchzusetzen, vor allem die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celcius, gewinnen Klimaklagen immer mehr an Bedeutung. Kirsten Müller (FIAN Deutschland) über juristische Initiativen -sogenannte Klimaklagen- um gegen Treiber des Klimawandels vorzugehen und um Regierungen zur Umsetzung staatlicher Klimaschutzmaßnahmen zu verpflichten. Das 4-seitige Factsheet kann hier runtergeladen werden. Oder gedruckte Factsheets kostenlos anfordern unter: Info(at)Fian.de

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FIAN fordert ugandischen Präsidenten und Bundesregierung zur Unterstützung des Mediationsverfahrens im Fall Neumann-Kaffeeplantage auf

Diese wurde vom Hohen Gericht in Kampala am 1. Juli 2019 angeordnet und sollte ursprünglich am 28. August abgeschlossen sein. Mit Schreiben vom 27. August hat die Staatsanwaltschaft die Anwälte der Vertriebenen zu einem Treffen am 10. September eingeladen, um die nächsten Schritte der Mediation zu besprechen.

Im August 2001 zerstörte die ugandische Armee vier Dörfer im Bezirk Mubende und vertrieb ihre Bewohner gewaltsam, um Platz für die Kaweri Coffee Plantation Ltd. zu machen, eine 100%ige Tochtergesellschaft der Neumann Kaffee Gruppe (NKG) mit Sitz in Hamburg. Rund 4.000 Bewohner wurden nicht entschädigt. Ihr Menschenrecht auf Nahrung und damit verbundene Rechte werden infolge dieser Vertreibung immer noch verletzt. Im Jahr 2002 verklagten sie die ugandische Regierung und die ugandische Tochtergesellschaft der Neumann Kaffee Group. Das Gerichtsverfahren ist bis heute anhängig unter der Nr. 2563 von 2016 (früher Nr. 179 von 2002), Baleke Kayira Peter & andere versus Staatsanwalt und Kaweri Coffee Plantation Ltd.

Obwohl der zuständige Richter am 1. Juli 2019 den Abschluss des Mediationsverfahrens bis zum 28. August 2019 angeordnet hat, wurde dieses noch nicht begonnen. Daher ist das für den 10. September geplante Treffen zwischen den Vertretern der Kläger und der Staatsanwaltschaft von großer Bedeutung. FIAN begrüßt dieses Treffen.

Nach Aussagen der Bundesregierung hat die deutsche Botschaft in Uganda in den letzten Wochen die Bemühungen um einen Vergleich verstärkt. FIAN begrüßt auch dies und fordert die Bundesregierung auf, dieses Bemühen fortzusetzen, damit die Vertriebenen Wiedergutmachung erfahren. FIAN bekräftigt sein Engagement, alle Maßnahmen zu unterstützen, die das Leiden der von der brutalen Vertreibung Betroffenen beenden können.

Das Einladungsschreiben der ugandischen Staatsanwaltschaft für das kommende Treffen können Sie hier lesen.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Gertrud Falk, FIAN Deutschland, Tel. 0221-47 44 91-15, E-Mail: g.falk@fian.de

Webseite: www.fian.de/fallarbeit/kaweriuganda/

Pressemitteilung als PDF zum Download

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UN-Menschenrechtsausschuss macht Paraguay für Einsatz verbotener Pestizide verantwortlich

Das UN-Gremium fordert Paraguay auf, die Verantwortlichen strafrechtlich zu verfolgen, die Opfer vollständig zu entschädigen und den Beschluss des Ausschusses in einer Tageszeitung mit hoher Auflage zu veröffentlichen. Zudem muss Paraguay innerhalb von 180 Tagen eine Untersuchung des Pestizid-Einsatzes im Land mitsamt der dadurch verursachten Kontamination von Wasser, Böden und Lebensmitteln sowie der Vergiftung von Menschen einleiten.
Jährlich kommen in Paraguay rund 60 Millionen Liter Agrochemikalien zum Einsatz. Im vorliegenden Fall verwendeten die Unternehmen Cóndor Agrícola S.A. und Hermanos Galhera Agrovalle del Sol S.A. laut dem UN-Bericht mindestens zwei in Paraguay verbotene Produkte, Aldrin und Lindan. Paraguay ist weltweit der viertgrößte Exporteur von – überwiegend genmanipuliertem – Soja. Besonders an der Grenze zu Brasilien und im östlichen Teil des Landes expandiert der Sektor stark. Immer wieder kommt es hierdurch zu Vertreibungen, Wald-Rodungen und Vergiftungen. Die Geschädigten leben am Kuairú-Fluss im Verwaltungsbezirk Canindeyú. Die brasilianische Firma Cóndor Agrícola S.A. hatte dort 2005 eine Sojaplantage angelegt, in der Traktoren und Kleinflugzeuge massiv Agrochemikalien sprühten. Einer der Betroffenen, Rubén Portillo, war 2011 im Alter von 26 Jahren an einer Vergiftung verstorben. Portillos Hinterbliebene sowie weitere Geschädigte hatten mit Unterstützung von FIAN Paraguay, der Organisation Base Investigaciones Sociales sowie der Koordinierungsstelle für Menschenrechte (Codehupy) zunächst eine Verfassungsbeschwerde gegen vier paraguayische Ministerien und Behörden eingereicht. Das Verfassungsgericht urteilte, dass „der Staat seiner Verpflichtung zum Schutz der verfassungsmäßigen Rechte auf Gesundheit, Unversehrtheit und ein gesundes und ökologisches Umfeld nicht nachgekommen ist“. Da Paraguay dem illegalen Pestizid-Einsatz weiterhin kein Ende bereitete, reichten die Betroffenen Beschwerde beim UN-Menschenrechtsausschuss ein. FIAN Paraguay und weitere Unterstützer begleiteten den Fall durch Öffentlichkeitsarbeit. Der Ausschuss kommt nun zu dem Ergebnis, dass die Plantagenbetreiber „systematisch die nationalen Umweltvorschriften missachteten“. Paraguay habe keine angemessenen Kontrollen illegaler Aktivitäten vorgenommen, obwohl der hohe Pestizideinsatz eine vorhersehbare Bedrohung für das Leben der Opfer darstellte. Daher erklärt der Ausschuss eine Verletzung des Rechts auf Leben und des Rechts auf Privatleben, Familie und ein Zuhause. Ein Wiederholungsfall müsse ausgeschlossen werden. „Dies ist ein historisches Urteil für die Anerkennung von Menschenrechten in Zusammenhang mit Umweltschäden, die vom Agrobusiness verursacht werden. (...) Hunderte ähnlicher Fälle auf der ganzen Welt könnten uns zur Prüfung vorgelegt werden“, so Hélène Tigroudja, Mitglied des Menschenrechtsausschusses. Das in Genf ansässige UN-Komitee setzt sich aus 18 internationalen Menschenrechts-Experten zusammen. Paraguay hat 1995 das Zusatzprotokoll zum UN Zivilpakt unterzeichnet, in dessen Rahmen die Beschwerde eingereicht wurde. Die Geschädigten leben etwa 120 Kilometer von der brasilianischen Grenze entfernt. Noch in den 90er Jahren galt die Region als Naturparadies. „Zuerst starben die Hühner, wir wissen nicht, warum. Die Schweine wurden krank, und einige Zeit später starb mein Bruder“, so Rubén Portillos Schwester Norma, die den Fall eingereicht hatte. Rubén's Körper war voller Wunden, ebenso wie der seines Sohnes. Auf dem Weg zum vier Stunden entfernt liegenden Krankenhaus war er den Vergiftungen erlegen.
Kontakt:
Philipp Mimkes, FIAN Deutschland, Tel. 0221-47449120, E-Mail: p.mimkes@fian.de
weitere Informationen:
• UN-Pressemitteilung zum Urteil hier online einsehen
• Die 17-seitige Urteilsbegründung der UN finden Sie hier (nur auf Spanisch)
• Menschenrechtsverletzungen in Paraguay (span; der Fall ist auf Seite 86 dokumentiert)
• Weitere Informationen unter: Base Investigaciones Sociales, Codehupy und El País

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Senegal: Landgrabbing und bäuerlicher Widerstand

Im Senegal steht das Thema Bodenreform seit dem Amtsantritt von Macky Sall im Jahr 2012 verstärkt auf der Tagesordnung. Zivilgesellschaftliche Organisationen setzen sich dafür ein, dass die Zugangs- und Nutzungsrechte ländlicher Gemeinden gesichert werden. FIAN veröffentlicht hierzu  einen Artikel von Marie von Schlieben, die vor Ort für den Weltfriedensdienst arbeitet.

95 Prozent des Landes sind als sogenannte „Nationaldomänen“ definiert, welche zeitlich begrenzt von jeder Person in der jeweiligen Kommune genutzt werden können. Der senegalesische Staat umgeht jedoch oftmals das Bodenrecht und führt großflächige Landtransaktionen ohne vorherige Befragungen der lokalen Bevölkerung durch. Beispielsweise wurde der marokkanischen Unternehmensgruppe Afri-Partners 2017 eine Fläche von 10.000 Hektar per Dekret zugesprochen. Solche Praktiken verstoßen nicht nur gegen das geltende Bodenrecht, sondern ebenfalls gegen Artikel 21.(5) der Banjul-Charta. Ein Bündnis von Bauernorganisationen, Wissenschaft und NGOs mobilisiert gegen solche Fälle von Landgrabbing und kämpft für den Erhalt der Nationaldomänen.

Die Regierung versucht jedoch weiterhin, ausländische Investoren anzulocken und die Privatisierung natürlicher Ressourcen voranzutreiben. Auch die Weltbank unterstützt Änderungen des Bodenrechts zugunsten von Agro-Unternehmen und Investoren und gefährdet damit erheblich die Ernährungssouveränität der Bevölkerung.

Der Beitrag ist Teil des aktuellen FoodFirst-Magazins und kann hier online abgerufen  werden.

Ein kostenloses Probeexemplar von FoodFirst, Ausgabe 2/2019 können Sie hier anfordern: Info(at)Fian.de
 

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Vertriebene der Kaweri Kaffeeplantage: Unterstützer fordern ugandischen Präsidenten und Neumann Kaffee Gruppe zu Entschädigung auf

Im August 2001 hat die ugandische Armee vier Dörfer im Bezirk Mubende zerstört und ihre Bewohner gewaltsam vertrieben, um der Kaweri Kaffeeplantage Platz zu machen. Die rund 4.000 Bewohner wurden nicht entschädigt. Ihre Menschenrechte werden infolge dieser Vertreibung bis heute verletzt. 2002 haben sie die ugandische Regierung und das ugandische Tochterunternehmen der Neumann Gruppe verklagt. Der Gerichtsprozess läuft noch immer.

Am 1. Juli 2019 hat der zuständige Richter ein Mediationsverfahren bis zum 28. August 2019 angeordnet. „Wenn alle Beteiligten es wollen, kann dieser langjährige Konflikt durch die Mediation schnell gelöst werden. Die Vertriebenen haben sich immer zu einer gütlichen Einigung unter fairen Bedingungen bereit erklärt“, erläutert FIAN-Referentin Gertrud Falk, die den Fall seit 17 Jahren begleitet. „Mit der Online-Petition weisen wir die ugandische Regierung und die Neumann Kaffee Gruppe darauf hin, dass der Fall internationale Aufmerksamkeit genießt und es nun in ihrer Hand liegt, den Konflikt zu beenden.“ Die Petition kann weiterhin unterzeichnet werden: http://bit.ly/SupportPetition

Die Menschenrechtsorganisation FIAN hat zudem eine Briefaktion an Außenminister Maas durchgeführt. Das Außenministerium hat die eingegangenen Briefe nun beantwortet. FIAN hat die Antwort auf seiner Webseite veröffentlicht und kommentiert: www.fian.de/artikelansicht/2019-08-22-fian-reagiert-auf-antwort-der-bundesregierung-zur-mediation-im-kaweri-fall

Gemäß aktueller Berichte der Vertriebenen hat am 20. August auf dem Gelände der Kaweri Kaffeeplantage ein hochrangiges Treffen zwischen der Neumann Kaffee Gruppe, der ugandischen Regierung und der deutschen Botschaft stattgefunden. Die Ergebnisse des Gesprächs sind bislang nicht bekannt.

Kontakt:

Gertrud Falk, FIAN Deutschland, Tel. 0221-473391-15, E-Mail: g.falk@fian.de

Pressemitteilung als pdf zum Download.

Hintergrundinformationen und Dokumentarfilm zum Fall: www.fian.de/fallarbeit/kaweriuganda/

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FIAN reagiert auf Antwort der Bundesregierung zur Mediation im Kaweri-Fall

Viele Unterstützer*innen haben sich an FIANs Briefaktion an die Bundesregierung zur Unterstützung des gerichtlich angeordneten Mediationsverfahrens zur Vertreibung zugunsten der Kaffeeplantage der Neumann Gruppe in Uganda beteiligt. FIAN bedankt sich auch im Namen der Vertrieben dafür bei allen Aktiven. Das Auswärtige Amt antwortet den Absender*innen mit einem einheitlichen Brief, den FIAN gleichzeitig begrüßt und kritikwürdig findet. Lesen Sie hier den Brief der Bundesregierung kommentiert von FIAN.

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12. August 2019 | “Agrokalypse” beim Food Sharing Festival Berlin

Termin: Freitag, 16. August 2019, 18.00 Uhr
Ort:

Malzfabrik, Bessemer Str. 2-14, 12103 Berlin, Lichtkeller

Copyright Marco Keller

Freitag, 12.08.2019 um 18.00 Uhr
Ort: Malzfabrik Berlin

FIAN Berlin zeigt beim Food Sharing Festival 2019 den Film “Agrokalypse-Der Tag, an dem das Gensoja kam”.

AGROkalypse erzählt die Geschichte der brasilianischen Ureinwohner vor dem Hintergrund des weltweiten Fleischkonsums und zeigt, wie wir durch Lebensmittel die Welt verändern.

Riesige Flächen tropischer Wälder werden jedes Jahr abgeholzt, um den Sojaanbau zu steigern. Schon jetzt baut Brasilien Soja auf einer Fläche so groß wie Deutschland an. Wo heute das Futter für unser tägliches Steak wächst, sind die Guarani-Kaiowá zuhause. Im tiefen Urwald gab die Natur ihnen alles, was sie zum Leben brauchten. Bis zum Tag, an dem das Gen-Soja kam … Eine Reise nach Brasilien, ins Herz der Konflikte zwischen Menschen und Milliardengewinnen …“
(12. Freiburger Filmfest)

Der Film folgt der Sojabohne auf ihrem langen Weg in die europäischen Futtertröge. Dabei kommen alle Parteien in diesem Konfl ikt um Land zu Wort.

 

Mehr zum Food Sharing Festival und unserem Beitrag hier.

Neuer Bericht des Weltklimarats: schnelle und umfassende Umgestaltung des vorherrschenden Ernährungssystems nötig

Am 8. August 2019 hat der Weltklimarat (IPCC) seinen neusten Bericht zu Klimawandel und Landnutzung vorgestellt. Der mehrere hundert Seiten lange Bericht speist sich aus rund 7.000 ausgewerteten wissenschaftlichen Arbeiten. Im Vordergrund steht dabei die wechselwirkende Verflechtung von land- und forstwirtschaftlich bedingten Treibhausgas-Ausstößen, anthropogenem (menschlich verursachtem) Klimawandel, sowie der weltweiten Degradation von Landökosystemen. Besonders die Ernährungssicherheit sei durch dieses Wirkungsgeflecht nach aktuellem Stand bedroht. Der Bericht ist eine Ohrfeige für die deutsche und EU-Agrarpolitik, die vor allem klimaschädliche, einseitig auf Massenproduktion ausgerichtete Landwirtschaft fördern. Die Wissenschaftler*innen empfehlen dagegen agrarökologische Ansätze. Darüber hinaus stützt der Bericht menschenrechtliche Forderungen nach Partizipation der am stärksten betroffenen und ausgegrenzten Bevölkerungsgruppen an der Entwicklung und Durchführung von Klimaschutzpolitik und Anpassungsprojekten.
Direkt zu Beginn zeichnet der Bericht ein Bild der vordringlichen Bedeutung von gesunden Landsystemen für das unmittelbare wie zukünftige Wohlergehen von Menschen, Tieren und Pflanzen. Terrestrische Ökosysteme, so hebt der Bericht warnend hervor, bilden die Hauptquellen für Trinkwasser und Nahrung, und sind damit unentbehrlich für den Fortbestand biologischer und ökologischer Vielfalt. Gleichzeitig fungieren Land- und Forstbiosphären über ihre Böden und Vegetation auch als natürliche Treibhaussenken und sind damit in der Lage, die dramatischen Auswirkungen der Erderwärmung zumindest teilweise abzudämpfen.
Seit Beginn der Industrialisierung ist die Lufttemperatur an den Landoberflächen aber nahezu doppelt so stark in die Höhe geschossen wie die des globalen Durchschnitts. Dies hat bereits zu weitflächiger Degradation von Land- und Forstbiosphären, Erosionen von Böden und Küsten, explosionsartige Wüstenausbreitungen, massenhafte Vegetations- und Artenverluste, Auftauen von Permafrostböden, Wasserverluste sowie die Zunahme von Extremwetterereignissen wie Waldbränden und Stürmen geführt. Diese Folgen werden weiter zunehmen. All das birgt nicht nur Belastungen für die Landsysteme als solches, sondern gefährdet auch zunehmend die Zukunft des weltweiten Trinkwasser- und Ernährungssystems.
Dabei sei das Ernährungssystem aber nicht nur Opfer, sondern zur gleichen Zeit auch direkter Verursacher dieser verheerenden Entwicklung. Denn laut Sonderbericht stammen rund 23% der gesamten anthropogenen Treibhausemissionen im Zeitraum von 2007-2016 aus der agrar- und forstwirtschaftlichen Landnutzung. Rechnet man die Treibhausgas-Ausstöße durch die Nahrungsmittelproduktion hinzu, so beläuft sich dieser Wert sogar auf bis zu 37%. Rund 70% der globalen eisfreien Landoberfläche werden dabei durch die menschliche Nutzung kurz- oder langfristig beeinflusst – nicht selten mit vernichtenden Wirkungen. Und da viele dieser Folgen mit hoher Wahrscheinlichkeit die Erderhitzung zusätzlich verstärken, ist die Diagnose eindeutig: sollen die Auswirkungen der Untätigkeit auf Ökosysteme und Menschen vermieden werden, so ist eine sofortige umfassende politische und wirtschaftliche Kehrtwende unentbehrlich. Dazu gehört die radikale Umstellung des gegenwärtigen, auf ressourcen-, wasser- und flächenfressender Tierwirtschaft basierenden Ernährungssystems auf ein nachhaltiges und effizientes Landmanagementsystem sowie die rasche Wiederherstellung degradierter Ökosystemdienstleistungen. Der Weltklimarat schlägt dazu explizit agrarökologische Ansätze vor.
Zentral dabei ist, so der Bericht, auch immer die Einbeziehung lokaler Interessensvertreter*innen – und insbesondere jene, die gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels am verwundbarsten sind: indigene Völker, lokale Gemeinschaften, Frauen sowie arme und marginalisierte Bevölkerungsgruppen.



Hier finden Sie den zusammengefassten, englischen Bericht.


Hier finden Sie die deutschsprachige Übersetzung.


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