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Für gentechnikfreie Landwirtschaft in Indien … Berlin/Brandenburg/ … Deutschland und Europa

Quelle: www.thanal.co.in

Der Aufenthalt des indischen Öko-Aktivisten Jayakumar Chelaton in Deutschland war Anlass zu einer Veranstaltung des Gen-ethischen Netzwerks [1] zusammen mit der BUKO [2], der Bundestagsfraktion Die Linke, dem Hof Apfeltraum [3] und FIAN Berlin in den Räumen des GeN am 20. Mai 2010. Jayakumar berichtete über den langjährigen Kampf seiner Organisation Thanal [4] gegen Gentechnik und Pestizide, wobei als Hauptgegner immer wieder Monsanto zu nennen war. Nebenbei er­fuh­ren die ca. 20 Zuhörer einiges über die Verhältnisse in sei­nem südindischen Bundesstaat Kerala, der sich als erster indischer Bundesstaat zur gentechnikfreien Zone erklärt hat. Leider ist dies die Ausnahme: 70–80% der in Indien angebauten Baumwolle ist heute gentechnisch veränderte Bt-Baumwolle. Der Bt-Samen kostet 22€ statt 10€ für herkömmlichen Baumwollsamen – ein gutes Geschäft für die Samenhändler, aber zusätzliche Abhängigkeit für die Bauern. Dazu kommt der erhöhte  Pestizidbedarf für gentechnisch veränderte Pflanzen – der daraus entstehende Teufelskreis an Verschuldung treibt indische Bauern in den Selbstmord.

Da Gentechnik sich ja gerne als „wissenschaftlicher Fortschritt“ verkauft, arbeitet Thanal auch durch das Sammeln wissenschaftlicher Ergebnisse zu den Folgen des Gentechnikeinsatzes – unabhängige Forschung ist hier jedoch rar, nicht zuletzt, weil die von Monsanto vorgegebenen Lizenzbedingungen bei der Nutzung von Saatgut dies untersagen.

Beeindruckend war seine Schilderung der Artenvielfalt bei Nutzpflanzen: Es gibt 400 Mango-Sorten, 3000 Reissorten, 1600 Auberginensorten in Indien. In einem Tempel in Orissa wird den Göttern an jedem Tag des Jahres eine andere Reissorte geopfert. Diese Zahlen machen deutlich, welcher Reichtum der Natur durch eine uniforme industrialisierte Landwirtschaft zerstört wird. Dem gegenüber steht die auch in Indien verbreitete Auffassung von natürlichen Ressourcen als Gemeingut, „commons“, Allmende, was allen zur Verfügung steht, wo aber auch traditionelle Nutzungsregeln respektiert werden, die den langfristigen Erhalt der Ressourcen garantieren. Probleme können sich allerdings dadurch ergeben, dass die „commons“ dem Staat gehören und dieser sie dann etwa für agroindustrielle Nutzung umdefinieren kann.